
Ein bereits einfacher Test ist die Überprüfung der Hornhautreflexe. Man bittet dazu den Patienten eine Lampe im Abstand von etwa 40 cm dicht unterhalb der Augen anzublicken. Dann werden die Augen des Patienten beleuchtet. Es entsteht ein Lichtreflex auf der Hornhaut. Beim Gesunden ist dieser Lichtreflex annähernd zentral, beim Schielen auf einer Seite meist davon abweichend. Diese Untersuchung ist meist auch bei Kindern oder auch Säuglingen durchzuführen, da eine auftretende Lichtquelle meist fixiert wird.
Die weiteren Tests die durchgeführt werden können, bedürfen einer Mitarbei des Patienten. Der Abdecktest gibt zum Beispiel Aufschluss über die Stellung der Augen. Zuerst wird der Patient gebeten ein Objekt oder ein Fixierlicht anzublicken. Nun wird ein Auge des Patienten abgedeckt (z.B. mit der Hand). Jetzt achtet der Arzt darauf ob eine Einstellbewegung erfolgt. Das bedeutet, er achtet darauf ob das Auge jetzt versucht den Gegenstand zu fixieren. Dies ist der Fall, wenn man das gesunde Auge verdeckt und das schielende Auge jetzt hergenommen wird zum fixieren. Lässt man die Abdeckung des gesunden Auges weg, so wird die ursprüngliche Stellung wieder eingenommen, das heißt das nicht schielende Auge übernimmt wieder die Führung. Ein blindes Auge wird keine Einstellbewegung durchführen. Bei Säuglingen oder Kleinkinder kann man diesen Test ebenfalls in leicht abgewandelter Form durchführen. Das schielende Auge ist meist schwachsichtiger als das nicht schielende Auge. Verdeckt man das schwachsichtige, schielende Auge wird der Säugling sein Verhalten meist nicht sonderlich ändern, verdeckt man hingegen das gesunde Auge so bleibt dem Säugling oder dem Kleinkind nur noch das eher schwachsichtige, schielende Auge zum sehen, die Abwehrbewegung ("wegstupfen" der Hand) und eine Verhaltensänderung wird hier stärker ausfallen. Die Interpretation ist natürlich immer mit Vorsicht zu genießen, da es naturgemäß viele Kinder gibt, die auch bei Normalsichtigkeit beider Augen eine Abdeckung eines Auges immer mit einer Abwehrbewegung reagieren. Typisch beim Schlielen ist deshalb der Unterschied in der Reaktion zwischen dem Abdecken des gesunden und des schielenden Auges.
Es gibt auch ein Abdecktest der bei latentem Schielen (Heterophorie) zur Anwendung kommt. Beim latenten Schielen kommt die Fehlstellung des Auges erst dann zum Tragen, wenn man die Verschmelzung der beiden Seheindrücke aufhebt. Dies kann man mit Abdeckung des Auges wieder feststellen. Der Patient wird gebeten einen entfernten Gegenstand zu fixieren. Dann wird wieder ein Auge abgedeckt (z.B. mit der Hand oder in dem man eine kleine Tafel oder eine kleine Kelle - ein sog. Okkluder davorhält). Beim latenten Schielen kommt es jetzt - wenn man das schielende Auge abgedeckt hat - hinter der Abdeckung zu einer Abweichung das Auges nach außen (Exophorie) oder innen (Esophorie). Gibt man die Abdeckung jetzt rasch weg, ist eine Fusionsbewegung zu sehen, da jetzt der Gegenstand wieder mit beiden Augen fixiert wird. Im Gegensatz zum manifesten Schielen ist beim latenten Schielen diese Fusionsbewegung langsamer als die Einstellbewegung des manifesten Schielens. Das ist meist ein gutes Zeichen, da es ein Hinweis ist, dass das schielende Auge nur eine geringe Sehschwäche aufweist und räumliches Sehen möglich ist.
Beim Lähmungsschielen reicht meist eine extreme Augenbewegung aus um diese Festzustellen. Ein Lähmungsschielen entsteht, wenn ein Nerv der die Augenmuskeln versorgt geschädigt wird. Beim Blick nach oben, unten oder zur Seite hin wird ein Auge in irgendeiner Bewegegung zurückbleiben. Der Nervus abduzens versorgt z.B. die Augenmuskeln der Seite. Beim Blick nach rechts wird der rechte Nervus Abduzens aktiv und das Auge rechte blickt nach rechts zur Seite und das linke Auge blickt nasenwärts (eine Bewegung die von einem anderen Nerven gesteuert wird, da der Abduzens ja für die Auswärtsbewegung zuständig ist). Ist der rechte Nervus Abduzens geschädigt, dann wird beim Blick nach rechts, das linke Auge wiede nasenwärts blicken, das rechte Auge bleibt jedoch in Mittelstellung stehen, da die nötige Muskelkontraktion, die durch den Nervus Abduzens ausgelöst wird entfällt. Im Falle des Nervus Abduzens kann das z.B. ein Hinweis auf eine Nervenkrankheit sein.
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