
Unter einem Katarakt versteht man die Trübung der Augenlinse. Das griechische Wort für Katarakt ist männlichen Ursprungs und bedeutet Wasserfall, die lateinisierte, medizinische Form ist weiblich - somit die Katarakt - weil man dachte, dass "geronnene" Flüssigkeit sich wie ein Wasserfall hinter der Pupille nach unten ergieße. Das Wort Star hat mit dem Vogel nichts zu tun, sondern rührt vom starren Blick, der bei vollständiger Erblindung durch die Linsentrübung herrührt. Früher war der graue Star eine häufige Ursache von Erblindung. Auch heute noch herrscht manchmal bei älteren Patienten die Befürchtung an einer Linsentrübung zu erblinden. Harmlose Trübungen der Linsenperipherie oder eine "normale" altersbedingte Trübung der Linse, sollten deshalb noch nicht als grauer Star oder Katarakt bezeichnet werden, sondern erst, wenn eine Operation angezeigt ist. Der Star ist durch eine Operation heilbar.
Das Hauptsymptom ist ein langsam zunehmender und schmerzloser Sehverlust. Typisches Zeichen ist ein „Verschwommensehen“ sowie eine Abnahme der Sehschärfe. Die Linse wirkt wirkt wie eine schmutzige Windschutzscheibe nachts bei Gegenverkehr. Die Streuung des Lichts bewirkt eine Blendung des Patienten. Die Kontrastierfähigkeit nimmt ab, sodass die Patienten ihre Umwelt „wie durch einen Nebelschleier“ wahrnehmen. Weiters kommt es zu einer Farbabschwächung. Die trübe, gelb gefärbte Linse filtert den blauen Teil des Lichts besonders stark heraus, was die Farbempfindung ändert. Nachvollziehen kann man das bei manchen Künstlern früherer Jahre. Bei Claude Monet oder William Turner, die beide an Katarakt litten ist diese Änderung der Farbempfindung in manchen Bildern nachvollziehbar. Es werden um Lichtquellen Halos oder Lichthöfe beobachtet. Die Hell-Dunkel-Adaption des Auges ist behindert. Beim Lesen wird häufig über eine Sehstörung geklagt, da beim Lesen der zentrale, meist am stärksten getrübte Anteil der Linse verwendet wird. Es kann sich aber in manchen Fällen die Lesefähigkeit bessern. Durch die Veränderung der Brechkraft der Linse kann manchmal der zuvor Weitsichtige in der Nähe zunehmend besser sehen als vorher und braucht vielleicht seine bislang nötige Lesebrille plötzlich nicht mehr. Dieser Verbesserung steht allerdings eine entsprechende Verschlechterung beim Sehen in die Ferne gegenüber. Die Verbesserung ist häufig nur von kurzer Dauer, weil durch die zunehmende Linsentrübung die Sehschärfe in allen Entfernungen abnimmt.
Die Katarakt kann gleich mehrfach eingeteilt werden: zum einen kann man nach den Umständen unter den eine Linsentrübung auftritt mehrere Formen unterscheiden, genau so wie man den grauen Star nach der Lokalisation und den Entwicklungsstadien einteilen kann.
Die Einteilung nach dem Entwicklungsstadium kommt vor allem beim Altersstar zum Tragen und ist wie folgt:
Eine weitere Unterteilung ist diejenige nach Lokalisation der Trübung:
Ebenso wie es Einteilungen nach der Lokalisation und dem Entwicklungsgrad eines grauen Star gibt es eine Einteilung nach der Ursache des Stars: Nach den Umständen, unter denen ein Katarakt aufgetreten ist, unterscheidet man:
Grauer Altersstar (Catarakta senilis)
Dies ist mit Abstand die häufigste Katarakt und macht ca. 90% aller Katarakt aus. Der Altersstar muss von der "normalen", altersbedingten Linsentrübung unterschieden werden. Von einem Altersstar spricht man deshalb nur dann, wenn das tägliche Leben durch den Star beeinträchtigt ist. Die Gründe für die Ausbildung eines Altersstar sind noch nicht zur Gänze geklärt, eine genetische Disposition in Verbindung mit Umweltbedinungen gelten als wahrscheinlich. Eine gewisse Trübung der Linse im Alter gilt als physiologisch. Als Risikofaktoren gelten UV-Belastung, Ernährungsfaktoren (v.a. Mangelernährung), hochgradige Myopie (Kurzsichtigkeit), Rauchen, Diabetes oder Medikamente wie Kortikoide.
Der Altersstar gilt als die häufigste, behandelbare Augenerkrankung in den Industrienationen. Pro Jahr werden etwa 40000 Staroperationen in Österreich durchgeführt. Weltweit wird die Zahl der Erblindeten aufgrund fehlender Operationsmöglichkeit auf etwa 20 Millionen Menschen geschätzt.
Katarakt bei Allgemeinerkrankungen
manche Erkrankungen können eine Linsentrübungen hervorrufen. Die wichtigste Allgemeinerkrankung ist der Diabetes Mellitus. Bei jungen Diabetikern (Typi I) können selten subkapsuläre Trübungen entstehen. Schneeflockenförmig. Bei Typ II Diabetes ist die Katarakt häufiger als bei Gesunden. Weiters tritt die Katarakt häufiger bei Dialysepatienten auf. Ein durch einen Kalziummangel hervorgerufene Katarakt wird als Cataracta tetanica bezeichnet. Man findet hier zahlreiche subkapsuläre, punktförmige Trübungen. Ein typisches Zeichen eines Kalziummangels wäre die mechanische Übererregbarkeit bei Beklopfen des Fazialisstammes (Chvostek-Phänomen) oder das Trousseau-Zeichen (Pfötchenstellung der Hand bei Kompression des Oberarms). Als Cataracta syndermatotica (Cataracara dermatogens) wird eine Katarkt bei chronischer Neurodermitis verstanden.
Katarakt bei Augenerkrankungen: diese Form wird auch als Cataracta complicata bezeichent.
Bei Augenerkrankungen kann es Komplikation manchmal zu einer Linsentrübung kommen. Es können dies z.B. Iridozyklitis, Glaukom, Netzhautablösung oder Pigmentdegeneration der Netzhaut sein.
Katarakt nach intraokularen Operationen
Bei der Vitrektomie wie sie z.B. bei der Nethautablösung manchmal durchgeführt werden muss, kann ebenso eine Katarakt entstehen wie nach Glaukomoperationen.
Katarakt durch Verletzungen: Cataracta traumatica, sowie Katarkt durch physikalische Noxen
Nach Prellungsverletzungen der Linse kann es zum Kontusionsstar kommen, der sich als Rosette unter der vorderen oder hinteren Kapsel ausprägt. Die Trübung wandert dann im Laufe der Jahre in tiefere Schichten. Weitere Verletzungsmöglichkeiten sind Perforationsverletzungen. Nach einer Perforation der Linsenkapsel dringt Kammerwasser in Linse ein, die Linseneiweiß quillt auf und trübt sich. Bleibt ein Splitter im Auge kommt es bei eisenhaltigen Fremdkörpern zu einer sog. Cataracta siderotica mit rostbrauner Verfärbung der Linse. Bei Kupfersplitter als Fremdkörper kommt es zu einer schweren Entzündung des ganzen Auges mit Abszess im Glaskörper und grün-goldener Kapseltrübung. Diese Ausprägung wird als Chalcosis lentis bezeichnet.
Eine physikalisch, traumatische Ursache ist der Strahlenstar. Er tritt 1-2 Jahre nach Bestrahlung auf (mehr als 6 Gy) weshalb die Linse bei Bestrahlungen im Kopfbereich mit Bleiglasprothesen geschützt werden muss. Seltenere Formen bei physikalischen Belastungen ist der Glasbläserstar (Feuerstar), der Folge beruflicher Infrarotbelastung ist. Nach Starkstromverletzung oder Blitzschlag, wenn Stromverlauf durchs Auge geht kann ebenfalls eine Katarakt auftreten.
Katarakt durch Medikamente, Vergiftungen oder durch Strahlentherapie
Bei längerer Behandlung mit Kortison (mehr als 1 Jahr) kanna als Folgewirkung ein Kortisonstar entstehen. Auch eine Reihe von Vergiftungen können einen grauen Star bewirken: Es sind dies z.B. Ergotamin, Dinitrophenol, Dinitrokresol, Naphthalin oder Thallium.
Kongenitale Katarakt
Manchmal kommt es im Rahmen von angeborenen Erkrankungen zum Auftreten eines grauen Stars. Beispiele hierfür sind der Galactosämiestar bei Säuglingen, Homozystinurie oder die angeborene Katarakt bei Virusinfekt in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten. Bei Trisomi 21 findet man Katarakt häufig vergesellschaftet mit anderen Augenerkrankungen.
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Augenerkrankungen sind besonders häufig im Alter oder im Kindesalter.