
Im Folgenden geht es um grundsätzliche Tipps im Umgang zur Komposition von Bildern. Die Portraitfotografie, Sportfotografie, Babyfotografie oder Urlaubsfotografie beispielsweise unterscheidet sich naturgemäß in ihrer Sicht der Objekte sehr erheblich. Dennoch haben Sie wahrscheinlich bereits festgestellt: es gibt Bilder die gelingen und solche die wirken irgendwie fad. Schlimmer und deprimierender wirds, wenn im Vergleich mit anderen Fotos die eigenen immer irgendwie "gleichartig" und ein bischen "uninteressant" wirken. Und nun fragen Sie sich: gibt es irgendwie Gesetzmäßigkeiten in der Komposition von Bildern, die man beachten sollte?
Hobbyfotografen haben oft mit einem Profi etwas gemeinsam. Beide arbeiten oft (aber nicht immer) nach dem Prinzip: wenn ich viele Fotos mache, sind immer ein paar Gute dabei! Je mehr Fotos Sie machen, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein paar gelungene Schnappschüsse dabei sind. Der Profifotograf unterscheidet sich aber zu den meisten Hobbyfotografen doch noch meist in einem Punkt: er macht sich vorher Gedanken zum Licht und zur Komposition und kann danach aus den ohnedies schon guten Fotos die Perlen heraussuchen. Dennoch gilt: je mehr Fotos Sie machen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass gute Fotos dabei sind - Versuch macht kluch!
Doch bei diesem einfachen Trick wollen wir es nicht belassen. Es gibt künstlerische Regeln, die schon die großen Meister der Malerei angewendet haben für Ihre Komposition.
Grundsätzlich kann man den fotografischen Akt in drei Elemte zergliedern. Motiv suchen - Fotografieren - Nachbearbeitung. Ein gutes Foto entsteht durch Ineinandergreifen aller drei Abläufe, der erste ist jedoch der entscheidenste Schritt. Der zweite Schritt ist der technische Schritt. Hier gilt es die Kamera zu kennen und zu wissen, wie ich den Apparat einstellen muss um das Ergebnis zu erzielen, das ich will. Der dritte Schritt ist ebenfalls wieder kreativ, wobei man hier die die Möglichkeiten der Software kennen sollte um gute Ergebnisse zu erzielen.
Sehr vieles an kompositorischen Mitteln und Tricks wurden aus der Malerei übernommen. Bei den alten Meistern dominierte die Komposition, bei den Impressionisten später das Licht. Heute in der Moderne angegkommen, kann man die Forschungsarbeit dieser genialen Geister für sich in die eigene Fotografie umsetzen. So schaffen Sie es Atmosphäre und Spannung in ein Bild zu setzen.
Somit ein paar Regeln und Tipps im Umgang mit einer harmonischen Bildkomposition.
Ein häufiges Problem beim Fotografieren ist der überfüllte Bildinhalt. Meist versucht man zuviel Bildinhalt in ein Bild zu packen. Möglichst viel soll drauf, damit ja nichts verloren geht. Diese Hamstertechnik führt zu einer unüberschaubaren Vielfalt und wirkt dadurch meist langweilig. Besser ist es, das Bild auf ein zentrales Element zu reduzieren. Die Schönheit liegt hier im Detail. Im Interview sagte einmal ein Profifotograf zu seinem Erfolgsrezept befragt, er kenne nur drei Regeln: "reduzieren, reduzieren, reduzieren".

Nun haben Sie sich entschieden, dass Sie sich auf einen geringeren Bildinhalt konzentrieren. Jetzt gilt es den Betrachter zu verführen. In einem guten Foto gibt es meist einen Gegenstand, eine Person, ein Detail, welches das Auge des Betrachters lenkt. Von diesem Punkt aus beginnt der Betrachter das Bild nach den restlichen Details zu Durchsuchen. Diese Erkenntnis ist allerdings relativ neu, vielfach herrscht noch die Meinung, dass der Mensch ein Bild von der linken oberen Ecke her nach unten "durchscant". Für Sie gilt: suchen Sie EIN Element, welches die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht. Dieses zentrale Element sollte im besten Fall von der Umgebung "losgelöst" sein, denn wenn ein zweiter Gegenstand in unmittelbarer Nähe sich befindet, so werden diese im Gehirn des Betrachters in Beziehung gesetzt und als Zusammengehörend interprietiert. Die Wahl dieses zentralen Elementes kann unterschiedlich ausfallen: kräftige Farben beispielsweise (das Rot einer Mohnblume, ein grelles Kleid, etc.) wirkt am besten, wenn in der restlichen Umgebung die Farbe relativ "neutral" gehalten wird. Befinden sich mehrere "Farbpunkte" über das Bild verteilt, geht sehr viel Wirkung verloren.

Sehr häufig findet man in der Komposition ein sog. Hauptelement (siehe oben) welches mit einem Nebenelement kombiniert wird: ein typisches Beispiel dafür ist z.B. eine prominente Mohnblume in einer Wiese und dahinter türmt sich das Matterhorn empor. Hier sollte man sich allerdings nicht zu sehr vom Autofokus in die Irre leiten lassen, ein Umgang mit Tiefenschärfe (oder Schärfentiefe) wird notwendig, etwas was später noch besprochen wird. Haupt- und Nebenelement gehören gut komponiert. Wenn Sie jemanden also im "freien Feld" portraitieren wollen, dann achten Sie zukünftig auf dieses zentrale Element und die Umgebung in der sich die Person oder das Objekt befindet.

Auch hier kommunizieren zwei Elemente....
Wenn Sie sich für ein Hauptelement - ihr Liebster oder ihre Angeherzte - entschieden haben, ist die Versuchung groß sie in den Mittelpunkt des Bildes zu setzen - er oder sie ist ja schließlich auch der Mittelpunkt. Nun, Sie sollten Ihrem Mittelpunkt zärtlich klar machen, dass etwas weg von der Mitte manchmal besser ist - was für eine philosophische Regel! - zumindest was das Fotografieren betrifft. Bei der Bildkomposition kann man sich mit der Drittel - Regelung behelfen.
Die Drittel Regel besagt, dass Sie ein Bildausschnitt in vertikaler und horizontaler Richtung gleichmäßig in Drittel teilen sollten. Dadurch entstehen Kreuzungen. Auf diesen Kreuzungspunkten sollten die wichtigen Bildelemente zum Liegen kommen.
Ein Beispiel für diese Regelung ist die Platzierung des Horizonts. Ein sehr häufiges - und schönes Motiv - ist z.B. das Meer mit einem schnurgeraden Horizont. Nach der obigen Regel wissen Sie nun, wo Sie den Horizont des Meeres zu setzen haben, nämlich nicht in der Mitte sondern im unteren oder oberen Drittel - ein einfacher Tipp der aber ungemein wirksam ist. Ist eine Person in diesem Bild, dann wird diese nicht in die Mitte, sondern am Besten auf den Schnittpunkt des äußeren Drittel - und schon haben Sie ein perfekt komponiertes Urlaubsbild nach Vorbild der alten Meister - aber nicht vergessen: das Licht! Die naheliegenste Lösung ist es, den Horizont ins untere Drittel zu legen. Dadurch ist aber es manchmal schwerer möglich, Personen richtig zu platzieren. Sollten Sie den Horizont ins obere Drittel legen, können Sie darauf achten, dass die Linie der Brandung ins untere Drittel zum liegen kommt.
Bewegte Objekte werden üblicherweise ins erste Drittel zur Fahrtrichtung gesetzt. Das bedetutet - um wieder auf das Meer zurückzukommen - ein hübsches Fischerboot, dass sich von links nach rechts bewegt, gehört ins erste Drittel links das Boot. Das hat damit zu tun, dass das Gehirn im Geiste versucht, die Bewegung fortzusetzen. In der Mitte wirkt es fad und am rechten Rand erwirkt es den Eindruck als würde es aus dem Bild rausfahren - ein Effekt der erwünscht sein kann, wenn Sie den Eindruck erwecken wollen, dass ein Objekt oder eine Person die Szene verlassen soll! Somit gilt: Hände weg vom Zentrum, wenn Sie Spannung erzeugen wollen!
Ein paar Tipps zum Horizont
Sie wissen jetzt wo Sie ihn setzen sollten, nämlich im oberen oder unteren Drittel. Setzen Sie ihn im unteren Drittel, so ist viel Platz für den Himmel, welcher demnach eine gewisse Spannung erzeugen sollte.

Eine einheitliche Milchsuppe ist meist uninteressant, achten Sie also auf einen wolkenlosen Himmel, auf Lichtspiele, auf interessante Wolkenfelder, wenn Sie die Komposition des unteren Drittels wählen. Dafür vermittelt diese Form von Horizont sehr viel Ruhe. Manchmal zuviel Ruhe, wenn man vergisst, dass ein Bild, welches nur Horizont, Wasser und Strand - und somit nur horizontale Linien - aufweist relativ rasch langweilig wirkt. Achten Sie deshalb auch bei diesen Motiven darauf, ein Hauptelement oder ein Gegenpol zu setzten - z.B. vertikale Holzanleger oder dergleichen! Bei hohem Horizont wird das Auge des Betrachters weg vom Himmel gelenkt, das heißt nicht, dass Sie ihm keine Achtung schenken sollten. Auch hier sollten Sie einen gleichmäßig bewölkten Himmel meiden. Ein verlaufender und nicht immer ganz zu klärender Horizont wird bei Nebel oder Dunst erzeugt. Hier ist besonders auf klare Linien zu achten. Der Horizont im Bild muss immmer gerade sein, er darf nie aufwärts oder abwärts ziehen. Ein gewellter Horizont wie er in den Bergen zu finden ist, ist ebenfalls sehr reizvoll, aber auch dieser sollte nicht schräg stehen.

Ein anderes Beispiel für die Anwendung des Horizonts....
Die Drittelung eines Bildes erzeugt sehr viel Harmonie. Am meisten Harmonie erlangt jedoch eine Geometrie wie Sie in sehr vielen großen Gemälden der alten Meister zu finden ist: der goldene Schnitt. Der Goldene Schnitt (lat. sectio aurea) ist ein bestimmtes Verhältnis zweier Zahlen oder Größen. Es beträgt etwa 1,618:1. Die eigentliche Berechnung ist recht kompliziert und soll hier nicht näher dargelegt werden. Die Kernaussage ist: ein Punkt muss eine Strecke so teilen, dass sich das längere Stück zum Ganzen verhält wie das kürzere Stück zum längeren. Daumen mal Pi bedeutet dies: das Bild wird in 60 zu 40 Prozent aufgeteilt. Der Blickpunkt eines Bildes sollte genau im Goldenen Schnitt liegen.

Ziel dieser Aufteilung ist die Erreichung der Perfekten Harmonie. Auch wird klar: das zentrale Element liegt nicht in der Mitte, sondern etwas seitlich davon.
Manchmal empfiehlt es sich, wenn man einen Rahmen für das Bild sucht um ihn spannender zu machen. Manchmal bieten sich Umrahmungen an, sei es eine Umrahmung einer Szene im Hintergrund durch die Äste eines Baumes oder natürlich der Blick durch ein Fenster. Entdecken Sie irgendwo in einer Burg eine Schießscharte, dann blicken Sie durch und sehen Sie hin, ob der Anblick der sich Ihnen bietet ein Photo wert ist.
Gute Bilder zeichnen sich oft - sehr oft - dadurch aus, dass gewisse Linien, oder klare Strukturen Harmonie erzeugen, etwas was schon bei der Drittel - Regelung zur Sprache gekommen ist. Menschen finden oft Bilder als angenehm oder interessant wenn sie eine gewisse Harmonie erzeugen. Gerade bei Kunstfotografie ist es manchmal erwünscht, die Harmonie zu durchbrechen, etwas was man allerdings erst machen kann und sollte, wenn man die Gesetzte der Harmonie kennt. Manchmal wirken zu klare Linien jedoch uninteressant, weil der Betrachter diese schon zu oft gesehen hat. Ein Beispiel dafür ist die Aktfotografie. Als eine grundsätzlich Regel in vielen Büchern über die Aktfotografie steht, dass man nur perfekte Körper und Linien verwenden soll. Dies ist zwar fürs Auge sehr harmonisch, doch haben die meisten Menschen Bilder dieser Art schon so oft gesehen, dass diese schnell uninteressant und willkürlich wirken. Neuere Aktfotografien oder Kunstfotografen nehmen darauf Rücksicht und konzentrieren sich mehr auf die Formen von "Otto Normalverbraucher" - die meist etwas - aber nur ein bischen - von der Idealform abweicht.
Doch zurück zur Harmonielehre: wenn Sie irgendwo gute Bilder betrachten, stellen Sie oft fest, dass klare Linien und Strukturen die Szene beherrschen. Manchmal sind es auch imaginäre Linien die sich durch ein Bild ziehen. Auch hier wieder ein Beispiel aus der Malerei: wenn Sie Bilder von Edgar Degas mit Tänzerinnen betrachten, merken Sie oft wie diese in imaginären Linien - vor allem in Kreisen - komponiert wurden.
Jedes Bild besteht pinzipiell aus Linien und Flächen. Wenn Sie künftig ein Motiv suchen, dann achten Sie darauf, ob klare Linien oder gewisse klare Strukturen vorkommen. Ambitionierte Fotografen und Profifotografen verschwenden immer Gedanken auf die Struktur und die Linien eines Objekts.
Die häufigsten Linien verlaufen Horizontal und Vertikal. Die Frage lautet hier: wo ist der Unterschied? Gebäude, Menschen, Bäume, Berge und viele andere Dinge in unserem Leben sind Vertikal orientiert, aber die große Mehrheit aller Bilder sind im Grund horizontal in ihren Linien ausgerichtet - ein krasses Beispiel ist der Horizont des Meer im vorigen Kapitel. Überhaupt werden Sie sehr viele Bilder horizontal ausgerichtet sehen. Das liegt vielleicht daran, dass eine Komposition mit horizontalen Linien einfacher ist. Versuchen Sie jedoch ruhig den Betrachter mit vertikalen Linien zu betören!
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