
Da das Problemduell zwischen Lichtmangel und Schärfentiefe - siehe voriges Kapitel - ein zentrales Element der professionelleren Fotografie darstellt, hat man sich schon zu Zeiten der Analogiefotografie eine Lösung erdacht. Es ist dies die Empfindlichkeit des Films.
Die Lichtempfindlichkeit wird in ISO (oder ASA) angegeben und auch Digitalkameras können die Lichtempfindlichkeit des des Sensors einstellen. Etwas was bei Hobbyfotografen sehr selten angewendet wird, jedoch sehr viele auch gestalterische Möglichkeiten eröffnet. Standartmäßig wird eine Lichtempfindlichkeit von ISO 100 verwendet.
Nehmen wir wieder das Beispiel von oben her, so hat uns der Belichtungsmesser eine Belichtungszeit von einer viertel Sekunde bei einer Blende von f/2 angegeben. Wir haben dann die Blende um einen Wert auf f/2.8 geschlossen. Dadurch hat sich die Belichtungszeit auf eine halbe Sekunde verlängert. Nehmen wir an, die Lichtempfindlichkeit war auf ISO 100 eingestellt, dann bewirkt eine Änderung auf ISO 200, dass Sie die Blende von f/2 auf f/2.8 schließen können OHNE dass sich die Belichtungszeit ändert. Eine praktische Sache, in der Tat, doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Mit zunehmender Lichtempfindlichkeit nimmt das Rauschen zu. Rauschen ist ein Bildfehler, bei dem der Lichtsensor die eigentliche reale Farbe aufgrund des "Lichtmangels" nicht richtig erfassen kann - salopp gesagt beginnt die Software dann zu "Schätzen", was im Bild als Pixelfehler deutlich spürbar ist.
Die Wahl der Lichtempfindlichkeit als kompositorisches Mittel ist bei digitalen Kameras aufgrund der Gefahr des Rauschens sehr zurückgegeangen. Analogfilme zeigten diesen Fehler nicht, da bei Digitalkameras die Lichtempfindlichkeit am Sensor eingestellt wird und bei Analogkameras wird direkt der Film belichtet. Es gibt für Analogkameras Filme mit ISO 1000 und einer groben Körnung, die sehr interssante Effekte erzeugen, vor allem wenn man Sie gegen alle Herstellerempfehlungen quasi "zweckentfremdet" und kreativ einsetzt. Diese Möglichkeiten der Kreativität bleiben der digitalen Fotografie per se meist vorenthalten. Lediglich über Bildbearbeitungsprogramme ist hier etwas zu verändern.
Das Punkt der Lichtempfindlichkeit ging eindeutig an die analoge Kamera. Der Punkt des Weißabgleichs geht eher wieder an die digitale Kamera. Der Weißabgleich dient dazu, die Kamera auf die Farbtemperatur des Lichtes am Aufnahmeort zu sensibilisieren. Mit dem Weißabgleich stellt sich die Kamera somit auf die jeweilige Lichtsituation ein. Das Auge selbst besitzt diese Fähigkeit von Natur aus, wobei dies vor allem eine Leistung des Gehirns ist. Diese Fähigkeit des Auges verführt aber den Fotografen, darauf nicht zu achten, denn für das menschliche Auge ist kaum ein Farbfehler bei Wechsel zwischen Kunst- und Tageslicht zu sehen, bei Aufnahmen von Kameras sehr wohl.
Viele Kameras besitzen mittlerweile einen vollautomatischen Weißabgleich. Hier Beim sucht die Kamera nach einer für sie weiß erscheinenden Fläche. Das kann funktionieren, wenn wirklich nahezu Weiß in ihrem Blickfeld ist, was leider oft nicht der Fall ist. In einem solchen Fall sucht die Digitalkamera nach dem hellsten Punkt. Ist dies der Fall, ist mit einem Farbfehler im Bild - meist ein Blaustich - zu erwarten.
Beim halbautomatischen Abgleich wird der Kamera auch ohne Weiß ein Licht vorgegeben. Meist können Sie zwischen Tageslicht, Kunstlicht, Schatten, Wolkig etc. entscheiden. Dies ist bei analogen Kameras - respiktive Filmen - ebenfalls möglich, jedoch wenn Sie sich einmal für Tageslicht entschieden haben, müssen Sie dies den ganzen Film hindurch akzeptieren. Eine Digitalkamera kann zwischen diesen beiden Formen wechseln sooft man will. Durch einen halbautomatischen Abgleich wird die Zahl der Farbfehler schon deutlich verringert. Mischlicht wird naturgemäß falsch interpretiert.
Zum manuellen Weißabgleich hält man die Kamera auf eine möglichst weiße oder neutral graue Fläche in der fotografierenden Umgebung. Viele verwende dafür ein DIN A4 Blatt. Aber Achtung: gerade die hochweißen Papiersorten enthalten oft Aufheller, die den Weißabgleich zum Übersteuern zum Blauen hin verführt, was im Bild als Gelbstich sich niederschlägt. Oft wird deshalb eine Graukarte verwendet. Es ist dies ein Karton mit einem genau definierten Grauton und einer genau definierten Reflexionsrate.
Manche Kameras besitzen auch die Funktion der Weißabgleichsreihen. Hier wird vom selben Motiv eine Reihe von Aufnahmen in verschiedenen Einstellungen vorgenommen und so der Weißabgleich durchgeführt.
Ein Weißabgleich ist auch durch ein gute Fotobearbeitungssoftware möglich, wenn die Bilder im Rohdatenformat (RAW) aufgenommen wurden. Dafür benötigen Sie ein eine Bildbearbeitungssoftware (KameraRAW). Gerade das Fotografieren mit RAW Dateiformaten wird zunehmend als "Idealform" propagiert, es gilt jedoch zu bedenken, dass man für einen Weißabgleich am PC einen sehr gut kalibrierten Bildschrim benötigt, also ein adäqutes Farbmangement durchführt.
Die Farbtemperatur ist ein recht wissenschaflicher und sehr eigentümlich wirkender Begriff. Im Alltag wird oft die Farbe Blau als ein kühle Farbe bezeichnet, während Rot als flammende Farbe der Liebe postuliert wird. Wie aber verhält sich diese Erfahrung mit dem Begriff der Farbtemperatur. Beginnen wir mit der Temperatur: die Temperatur wird üblicherweise in Grad Celsius angegeben, die Wissenschaft bevorzugt Kelvin. Null Kelvin (die Grade lässt man bei Kelvin offiziell weg) geben den absoluten Nullpunkt an, tiefer geht nicht. Bei Kelvin gibt es also keine Minusgrade, sondern nur positive Werte. Ein Wert von Null Kelvin entsprechen etwa minus 273° Celsius, also wirklich sehr kalt - und im übrigen ein Wert der laut einem Gesetz der Thermodynamik nie eintreten kann; es ist auch der Punkt, an dem die ansonsten hoch unruhigen Atome zum Stillstand gekommen sind. Umgekehrt enstprechen somit 273 Kelvin Null Grad Celsius. Lichtfarbtemperaturen bewegen sich üblicherweise im Bereich von wenigen tausend Kelvin - und somit auch Celsius, denn ob 5273 Kelvin oder 5000° Celsius machen auch schon nicht mehr viel Unterschied. Wie ist nun die Definition der Farbtemperatur: Als Farbtemperatur bezeichnet man diejenige Temperatur, die ein schwarzer Körper haben müsste, damit dessen Licht denselben Farbeindruck erweckt wie die tatsächlich vorhandene Beleuchtung. Ein wirlich schwieriger Satz, der hier nur kurz erläutert werden soll. Zuerst zum Begriff des schwarzen Körpers: stellen Sie sich eine schwarze Billiardkugel vor. Diese Billiardkugel ist eindeutig ein scharzer Körper, allerdings im wissenschaftlichen Sinn nur sehr näherungsweise. Die Billiardkugel erscheint uns schwarz weil sie alle Farben des Spektrallichtes - sowohl die roten, grünen als auch blauen Anteile - resorbiert und nicht mehr reflektiert. Ein schwarzer Körper resorbiert somit die Farben des Sonnenlichts und reflektiert nichts. Im Fall der Billiardkugel müsste man sagen, dieses Nichts ist nicht ganz korrekt, sie reflektiert sehr wohl noch Strahlen, vor allem im nichtmessbaren Bereich. Ein idealer schwarzer Körper wie Ihn die Physiker wollen, gibt es im Alltag nicht. Dieser Ideale schwarze Körper würde alle Strahlung resorbieren, auch infrarote oder ultraviolette Strahlung. Um die Strahlung eines schwarzen Körpers zu verstehen, müsste jetzt weiter in die thermodynamischen Gesetze eingegangen werden, was ich Ihnen hier ersparen will. Versuchen wir einen kleinen "Quantensprung" ins praktische Leben der Fotografie zu finden!
Mit der Farbtemperatur werden im Grunde genommen gewisse Lichtsituationen beschrieben. Anhand der Kelvin Werte kann man dann Vergleiche anstellen. Tageslicht besitzt eine Lichttemperatur von etwa 5500 Kelvin, eine 100 Watt Glühbirne besitzt eine Farbtemperatur von etwa 2800 Kelvin. Mit steigender Temperatur ändert sich die Farbe von rot über orange, gelb, weiß bis blau und vice versa. Senke ich also die Temperatur von 5500 Kelvin (Tageslicht) auf 2800 Kelvin (100 Watt Glühbirne), so verändert sich die Farbe von Weiß in Richtung Gelbstichigkeit. Und wie bereits im Eingangskapitel über Licht besprochen, entspricht dies dem Farbeindruck, den auch Sie um sich haben, wenn Sie Abends ein Wohnzimmer mit einer Glühbirne erhellen, es wird alles gelbstichig. Wenn Sie in dieser Situation ein Foto mit normaler Taglichteinstellung und ohne Blitz machen, dann wird das Ergebnis ein gelbstichiges Bild sein. Es sei denn, Sie führen einen Weißabgleich durch, dieser korriegiert diese Gelbstichigkeit. Will man also als Endprodukt Bilder in weißer Lichtfarbe - und dies ist meist (aber nicht immer) erwünscht - muss man über die einzelnen Farbtemperturen bescheid wissen. Eine Kerze besitzt eine Tempertur von 1500 Kelvin, Tageslicht wie gesagt ca. 5000 Kelvin, steigt bei bedecktem Himmel noch ständig an bis hin zum Nebel mit einer Farbtemperatur von 10000 Kelvin. Die Tatsache, dass die Farbtemperatur bei nebligem Wetter höher liegt als in praller Mittagssonne, liegt an dem dunkleren Farbeindruck, den der Nebel gegenüber der Mittagssonne verursacht.
Es hat sich wieder einmal alles ums Licht gedreht. Die Einstellung von Blende, Belichtungszeit, Lichtempfindlichkeit und Weißabgleich sind sicherlich die Stärken der eher technisch orientierten Fotografen, deren Einsatz trägt aber wesentlich zum Gelingen guter Fotografien bei. Aber nicht nur die optimale Darstellung von Schärfe und Farbe stehen bei diesen Werten im Vordergrund, auch die kreativen und kompositorischen Möglichkeiten werden wesentlich durch Farbe und Schärfe des Bildes beeinflusst.
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