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Naturfotografie Teil I


Die Naturfotografie mit der Digitalkamera - ein Tutorial für Hobbyfotografen

Ein kurzes Tutorial zum Thema Naturfotografie

Die Naturfotografie gehört sicherlich zu den schönsten und erholsamsten Tätigkeiten der Hobbyfotografen. Biologisches, geologisches, metereologisches und fotografisches Interesse werden kombiniert und oft ästhetisch ausgedrückt. Das folgende Tutorial über die Naturfotografie bearbeitet die speziellen Erfordernisse und Möglichkeiten, die der Naturfotografie inne sind. Auch hier beginnt das Tutorial mit der schönsten Tätigkeit, der Komposition des Bildes und dem Fotografieren. Erst dann werden die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten besprochen, da es auch hier das Ziel ist, gute Ergebnisse bereits mit einer einfachen Kompaktkamera (im englischen point-and-shoot Kamera) zu erzielen. Einige Ziele der Naturfotografie sind jedoch nur über gute Spiegelreflexkameras zu erreichen, recht oft benötigt man auch meist teure Teleobjektive. Auf die technischen Details wird im Anschluss eingegangen. Es folgt noch die Bearbeitung der Bilder in Photoshop. Dabei soll hier weitgehend auf die Naturfotografie im Speziellen eingegangen werden, sehr viele grundsätzliche Dinge wurden schon in diesem Tutorial hier besprochen.

Dabei handelt es sich natürlich nicht um feste Regeln - oft genug entstehen auch gute Bilder, die sich an keine Regeln halten. Das fotografische Sehen folgt jedoch sehr oft bestimmten Regeln, es gilt für Sie die Regeln auch ganz persönlich zu entdecken, wenn Sie Bilder von anderen betrachten, welche Sie faszinieren und anziehen. Ein gutes Bild, ist ein Bild auf das man länger als eine Sekunde schaut, lautet ein Kernsatz professioneller Fotografen. Dieser längere Blick hat einen Grund, ergründen Sie diesen für sich persönlich!

Grundätzlich kann man zwei Arten von Naturfotografie unterscheiden: die Fotografie von bewegten und unbewegten Objekten. Ersteres beinhaltet meist die Fauna, zweiteres oft die Flora und die Geologie (Flüsse, Felsen, etc.). Die Intention beider ist oft sehr unterschiedlich. Während die Fotografie von unbewegten Objekten meist die Suche nach Struktur, Harmonie und Licht ist - und somit die Themen der klassischen, ästhetischen Fotografie bearbeiten - sind die Fotografen der bewegten Objekte (Tiere) oft vom biologischen Interesse getrieben.

Inhaltsverzeichnis

Kompositorische Möglichkeiten der Fotografie

Grundsätzlich gelten auch hier die allgemeinen kompositorischen Regeln oder Möglichkeiten sowie das Arbeiten mit Licht als dem zentralen Thema der Fotografie, die hier bereits besprochen wurden. Die Naturfotografie bietet jedoch auch spezielle Anforderungen und Möglichkeiten.

Die Komposition

Da ein grundlegendes kompositorisches Mittel die Reduktion ist, sollte man immer zuerst überlegen, was das zentrale Element im Bild ist. Zu oft versucht man, zuviel an Inhalt in ein Bild zu packen. Besser ist es oft, zu reduzieren, ein zentrales Element zu finden und dieses in Bezug zum Hintergrund zu setzen. Der Hintergrund ist dabei wichtiger als man denken würde, denn er entscheidet oft ob ein Bild spannend oder chaotisch wirkt - auch wenn der Hintergrund oft unscharf erscheint und auch erscheinen soll. Der erste Schritt ist also weg von dem Gedanken, alles mögliche an Inhalt in ein Bild zu verpacken, Reduktion ist wohl eines der wichtigsten stilistischen Mittel in der Fotografie.

olive

Wie bereits angedeutet kennt die Naturfotografie grundsätzlich zwei verschiedene Objekte: bewegte und unbewegte. Bei den unbewegten Objekten hat man die Zeit behutsam vorzugehen. Man sollte sich als stets Fragen, was man mit einem Bild bezwecken will - in erster Linie für sich und für diejenigen, die es betrachten. Was will man damit ausdrücken (die Kompostion der Farben, das Licht, die Struktur, das Objekt in einem "anderen" Licht, Ruhe, Harmonie, die Kraft der Natur, kreisende Bewegungen, Umweltverschmutzung, etc..). Es sollte nach Möglichkeit diese Frage geklärt sein, ansonsten ist es ein sehr zufälliger Prozess. Der zufällige Prozess schafft manchmal die verblüffensten Ergebnisse, dafür hat der bewusste Prozess, denn Vorteil dass er reproduzierbar ist, dass er auf Handwerk basiert und das man von ihm lernen kann und so fotografisch weiter kommt. Dieser bewusste Prozess führt irgendwann auch zu einem bestimmten Thema, welches einem fasziniert - der bewusste Prozess ist somit auch ein intensiv künstlerische Prozess. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, andere zu beeindrucken, sondern die Bilder müssen Ihnen gefallen, Sie müssen sich selbst die Frage stellen, was Sie mit diesem Bild ausdrücken wollen, für sich ausdrücken wollen, so dringen Sie zum Kern dessen vor was Kunst ist: die Kontaktaufnahme mit sich selbst!

Bei bewegten Objekten (also vor allem bei Tieren), kann man nur im begrenzteren Rahmen komponieren. Wenn man allerdings auf der Lauer liegt und for dem Fuchsbau wartet, hat man meist genug Zeit um die Umgebung genaustens zu Arrangieren. Gute Naturfotografen, welche Ihre Bilder in großen Zeitschriften wie Geo veröffentlichen, tun dies offensichtlich. Dabei wird also zuvor das Licht (sehr wichtig) und der Hintergrund und die Umgebung sowie die Position der Kamera genaustens arrangiert. Achten Sie nächstens wenn Sie derartige Bilder betrachten darauf! Gerade hier empfiehlt es sich oft, einen nicht allzu hellen Tag, sondern einen bewölkten Tag zu verwenden, ansonsten gehen sehr viele wichtige Strukturen des schönen Objekts unter. Gerade wenn man Tiere fotografieren will, ist man so auf das Objekt selbst bedacht, dass man die Umgebung oft vergisst, Profis vergessen darauf nie (oder fast nie!). Wollen Sie also Tiere fotografieren ist der erste Schritt vom Tier weg. Betrachten Sie erst das Umfeld, das Licht und den Hintergrund, vor dem sie das Tier "platzieren" wollen, erst dann stürzen Sie sich aufs Objekt.

Professionelle Tierfotografen behelfen sich deshalb oft Hilfsmittel. Um nicht einem Schmetterling den ganzen Tag hinterherzulaufen und darauf zu warten, dass dieser vor dem richtigen Hintergrund und dem richtigen Licht endlich still sitzt, verwenden Tierfotografen oft Tricks. Im Falle von Schmetterlingen, fangen Sie diese oft ein, geben Sie in den Kühlschrank (oder eine Kühlbox) und simulieren so die Kälte der Nacht - dann kann der Schmetterling platziert werden, und er wird noch eine Zeit lange sitzenbleiben, bevor er wieder genug "Betriebstemperatur" hat um wegzufliegen. Es verstehts sich von selbst, dass eine derartige Vorbereitung nie in Tierquälerei enden darf. Bei vielen Tierarten - vor allem Vögel, aber auch andere Tiere - spielt eine Veränderung der Umwelt oft eine große Rolle. Wenn Sie sich an ein Vogelnest anpirschen, kann es sein, dass Sie dadurch das Umfeld für den Vogel verändern (plötzlicher Sichtschutz im Schilf kann plötzlich weg sein, der Geruch, die Geräusche oder andere Sinnesempfindungen können das Tier veranlassen zu fliehen - seien Sie also äußerst behutsam!).



Aber Sie dürfen sich nichts vormachen: die großartigen Tierfotos oder Fernsehdokumentationen sind meist (oder praktisch immer) gestellt und mit Tricks (Lockmittel, "Brunftmittel", Köder,  "dressierte" Tiere, etc.) erstellt worden. Tierfilmer welche keine oder kaum Tricks verwenden und die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung filmen sind äußerst selten geworden. Einige Tricks der Tierfilmer werden weiter unten besprochen.

Nichts desto Trotz ist es die höchste Qualität des Naturfotografen, die Tiere in natürlicher Umgebung ohne Hilfsmittel darzustellen. Das kostet sicherlich Zeit, etwas was Profis oft nicht haben, Hobbyfotografen dafür eben schon - nutzen Sie diesen Vorteil gegenüber den Profis, sollten Sie Hobbyfotograf sein! Im Beispiel der Schmetterlinge muss man eben versuchen, diese in den frühen Morgenstunden zu fotografieren, dort sind diese meist noch sehr träge.

schildkroete

Eine glückliche und "ungelockte" freilebende Schildkröte auf Kreta...

Der nachfolgende Satz kann helfen, den kompositorischen Prozess zu erleichtern:
Was ich mit dieser Szene ausdrücken will ist ......................................................................., dazu verwende ich folgendes Equipment und Einstellung:............................................................, mit folgender fotograischen Technik (Kompositon und Licht):.......................................................................

Der Horizont in der Naturfotografie
Häufig tritt in der Komposition von Naturbildern der Horizont auf, weshalb hier nochmals darauf eingangen werden soll. Die Komposition nach der Drittelregelung (welche besondere Harmonie ausstrahlt) besagt im Falle des Horizonts, dass dieser nicht in der Mitte sondern entweder im oberen oder im unteren Drittel zu liegen kommen soll. Außerdem sollte der Horizont - vor allem wenn es sich um einen geraden Horizont wie beim Meer handelt - gerade stehen, etwas was man allerdings auch in Photoshop korriegieren kann.

Werden dann vor dem auf das obere oder untere Drittel gesetzten Horizont Bildinhalte (Boote, Menschen, Vögel, Strandtiere etc.) gesetzt, so empfiehlt es sich, diese wieder nicht in die Mitte zu platziern, sondern an den Rand. Bewegt sich ein Boot von links nach rechts, dann erzeugt das Boot auf der linken Bildhälfte die Impression des "in das Bild fahrenden" und die Platzierung nach rechts die Illusion des "aus dem Bild" fahrenden Bootes. Gleiches gilt natürlich für alle Objekte (z.B. Wale, Vögel die "ins Bild" oder "aus dem Bild" fliegen).

Ein paar Tipps zum Horizont
Sie wissen jetzt wo Sie ihn setzen sollten, nämlich im oberen oder unteren Drittel. Setzen Sie ihn im unteren Drittel, so ist viel Platz für den Himmel, welcher demnach eine gewisse Spannung erzeugen sollte. Eine einheitliche Milchsuppe ist meist uninteressant, achten Sie also auf einen wolkenlosen Himmel, auf Lichtspiele, auf interessante Wolkenfelder, wenn Sie die Komposition des unteren Drittels wählen. Dafür vermittelt diese Form von Horizont sehr viel Ruhe. Manchmal zuviel Ruhe, wenn man vergisst, dass ein Bild, welches nur Horizont, Wasser und Strand - und somit nur horizontale Linien - aufweist relativ rasch langweilig wirkt. Achten Sie deshalb auch bei diesen Motiven darauf, ein Hauptelement oder ein Gegenpol zu setzten - z.B. vertikale Holzanleger oder dergleichen! Bei hohem Horizont wird das Auge des Betrachters weg vom Himmel gelenkt, das heißt nicht, dass Sie ihm keine Achtung schenken sollten. Auch hier sollten Sie einen gleichmäßig bewölkten Himmel meiden.

Verwende die "Tricks" der Komposition
Neben dem in der Naturfotografie oft wichtigen Horizont, kann man für die Naturfotografie alle Tricks der Komposition anwenden, welche für die Fotografie grundsätzlich gelten. Es sind dies die Kommunikation zweier Elemente, die Verwendung des goldenen Schnittes, die Verwendung von Strukturen, Formen und Linien, die Verwendung eines natürlichen Rahmens, die Verwendung von Farbe oder die Wahl des richtigen Blickwinkels u.v.m.

Das Licht

Der Naturfotograf ist in der glücklichen Position, im schönsten Licht zu fotografieren, dem Licht der Sonne - manchmal aus fotorafischer Sicht, dankenswerterweise von  den Wolken diffus gestreut. Diffuse Streuung bei bewölktem Himmel bietet den Kontrast, den man oft möchte. Bei greller Sonne zu fotografieren, wird eher vermieden, da grelles Sonnenlicht zu extrem starken Schatten und schlechtem Kontrast führt. Dies kann durchaus manchmal erwünscht sein, gerade in der Schwarzweißfotografie ist dieser harte Kontrast manchmal gezielt erwünscht. Will man jedoch Detailaufnahmen machen, oder Aufnahmen die Struktur beeinhaltet empfielt es sich im Schatten, bei bewölktem Himmel und am Besten am Abend oder frühen Morgen zu fotografieren. Genaueres wurde hier besprochen.

Naturfotografen benötigen wegen des oft reichlichen Vorhandenseins von Licht auch nie einen Blitz. Fotografien sollte nur in speziellen Fällen mit Blitz gemacht werden, der Naturfotografie braucht den Blitz praktisch nie - einzige Ausnahme ist evt. die Verwendung des Blitzes, wenn man im grellen Sonnenlicht fotografiert und die harten Schatten wegblitzen will. Die Problematik des Blitzlichtes können Sie hier nachlesen.

Auch die Möglichkeiten der Komposition mit verschiedenen Lichtrichtungen eröffnet viele neue kreative Möglichkeiten.

Zusammenfassung der Tipps zur Komposition

  1. Seien Sie sich treu: die Bilder die Sie machen, müssen in erster Linie ihnen gefallen.
  2. Sehen Sie fotografisch! Gehen Sie herum, betrachten Sie Licht, den Kontrast und Struktur! Nehmen Sie nicht das erstbeste Objekt und knipsen drauflos, sondern suchen Sie bewusst nach einem Motiv, welches möglichst viele kompositorische Regeln erfüllt. Die wichtigste Regel ist die Reduktion von Farbe (kann man noch verstärken in dem man Schwarzweiß in der Nachbearbeitung wählt), Form und Struktur.
  3. Schauen Sie durch den Sucher den Ausschnitt an und verwenden Sie nach Möglichkeit ein Stativ, aber verwenden Sie erst das Stativ nachdem Sie probehalber durch den Sucher geblickt haben.
  4. Mit einem Stativ haben Sie mehr Möglichkeiten mit der Schärfentiefe und der Blendenöffnung zu arbeiten - v.a. wichtig für Makroaufnahmen
  5. Kontrollieren Sie nochmals das Licht
  6. Kontrollieren Sie den Kontrast: starke Kontrastunterschiede wie sie bei hellem Sonnenlicht auftreten, sollten in aller Regel vermieden werden. Ausnahme ist vor allem die Schwarzweißfotografie, welche starke Kontrastunterschiede manchmal sehr gut umsetzt.
  7. Kontrollieren Sie erst den Hintergrund
  8. Jetzt erst können Sie sich auf das "Hauptobjekt" konzentrieren.


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Links

 

Hier finden Sie ein Tutorial zum Thema digital Fotografieren sowie Tipps zur digitale Nachbearbeitung von Bildern