
Definition: eine häufige durch die in der Hornschichte lebende Krätzmilbe ( Sarcoptes hominis ) hervorgerufene, höchst pruriginöse Dermatose. Die Scabies war früher ungemein weit verbreitet und trat insbesondere in Kriegszenten stark hervor ( epidemische Ausbreitung vor allem im Soldatenmilieu Nicht selten wirkte sich die Scabies durch Mannschaftsausfälle ( Pyodermien, Sepsis ) kriegsentscheidend aus; nach Meinung mancher Autoren sind bei den historischen Kriegen mehr Soldaten an der Scabies als an den direkten Kriegsfolgen hingerafft worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Scabies fast vollständig aus den westlichen Ländern, steigt jedoch seit etwa lo Jahren wieder stark an. wegen der heute viel besseren hygienischen Verhältnisse und Antibiotika stellt jedoch die Scabies heute keine lebensgefährdende Krankheit dar.
Der Erreger ist eine rundliche Milbe mit 4 Beinpaaren und Trachelatmung .( wichtig, da der Parasit auf Luftatmung angewiesen ist und nicht tiefer als die Hornschichte in die Haut eindringen kann). Die Weibchen sind der eigentlich aggressive Part der Milben: sie bohren innerhalb der Hornschichte Gänge und legen dort die Eier ab. Die Männchen ( etwa halb so groß wie die Weibchen ) leben auf der Oberfläche der Haut; die Weibchen schwärmen nächtens zwecks Kopulation auf die Hautoberfläche aus.
Klinisches Bild: auf den ersten Blick ähnelt die Scabies am ehesten einem generalisierten Ekzem, da der heftige Juckreiz mit Kratzen beantwortet wird, die Kratzeffekte ekzematisieren und impetiginisieren können. Bei genauer Inspektion erkennt man jedoch die diagnostische Läsion der Scabies, den Milbengang. Es handelt sich um eine mehrere Millimeter lange, etwas gewundene strichförmiqe Läsion ( sieht aus wie Gänge, die entstehen, wenn sich Kinder spielenderweise Stecknadeln durch die Hornschichte fädeln ), wobei allerdings im Lauf des Ganges dunkle Pünktchen erkennbar sind ( Kotballen der Milben).
Am blinden Ende des Ganges findet sich eine Erhabenheit ("Milbenhügel" ), unter dem die Milbe sitzt. Die Prädilektionsstellen der Milbengänge und damit auch die Schwerpunkte der ekzematösen Läsionen sind: die Interdigitalräume der Finger, die Beugeseiten der Handgelenke und Ellbögen, die Axillarregion, die Perimammilär und Periumbilikal Region sowie das Genitale ( von außerordentlich großer diagnostischer Wichtigkeit!) Typischerweise frei bleibt das Gesicht oberhalb der Kinnlinie ( Ausnahme: Säuglinge, die an der Brust ihrer an Scabies leidenden Mutter gestillt werden sowie Handflächen und Fußsohlen). Milben bevorzugen Körperlokalisationen mit hoher Temperatur und dünner Hornschichtel Die Scabies ist außerordentlich juckend wobei der Juckreiz in nahezu diagnostischer Weise abends nach dem Schlafengehen ( sobald es im Bett warm wird ) auftritt. Erklärung: in der Wärme werden die Milben geschäftig. Die Ursache des Juckreizes liegt jedoch nicht nur im "Kitzeln" durch die langen, fadenförmigen Beine der Milbe, sondern auch in der Entwicklung einer Iminunreaktion gegen Milben Antigene; dies äußert sich etwa darin, daß der Juckreiz nach erfolgreicher Therapie noch wochenlang in mitigierter Form weiterbestehen kann. Differentialdiaanose: generalisiertes, insbesondere atopisches Ekzem.
Epidemiologie: die Ubertragung der Scabies erfolgt fast ausschließlich durch direkten Kontakt in der Bettwärme; unter diesen Umständen ist die Scabies sehr infektiös daher muss im Erkrankungsfall nicht nur der Erkrankte, sondern stets die gesamte Familie bzw. Wohnungsgemeinschaft behandelt werden. Bloß vorübergehender Kontakt ( etwa bei Handschlag ) ist kaum oder nicht infektiös. Die Milben halten sich nur vorübergehend ( nachts ) in der Bett- oder Leibwäsche auf; eine Entwesung ist daher nicht erforderlich. Die Inkubationszeit der Scabies ist relativ lange ( mehrere Wochen ) und hängt von der Anzahl der übertragenen Milben ( gewöhnlich sind das nur sehr wenige, da bei einer voll ausgeprägten Scabies selten mehr als 3o Weibchen gefunden werden können ) und den hygienischen Umständen des Infizierten ab: je häufiger der Betroffene badet, desto langsamer kommt es zur Vermehrung der Milben ( in ständig maximal durchfeuchteter Hornschichte können die Milben wegen ihrer Tracheenatmung nicht leben ) . Allerdings reicht eine Badetherapie alleine nicht zur Beseitigung der Milben aus.
Sonderformen der Scabies: die heute häufigste Sonderform ist die sogenannte gepflegte Scabies, eine Form, die sich aus dem gerade Gesagten zwangsläufig ergibt. Bei häufig badenden Individuen sind wenig oder keine Läsionen vorhanden, im Vordergrund steht ein scheinbar grundloser Juckreiz. In diesen Fällen ist die genaue Untersuchung des Genitales von besonderer Wichtigkeit, da sich hier am ehesten Milbengänge oder aufgekratzt Papeln nachweisen lassen.
Diagnose der Scabies: in den meisten Fällen ist das klinische Bild diagnostisch. In Zweifelsfällen führt man den sogenannten " Milbenbefund durch: durch seitliches Anbohren des Milbenhügels am Ende des Milbenganges klammert sich, wenn man vorsichtig genug verfährt, die Milbe an die Nadelspitze, kann dadurch hervorgezogen und auf einem Objektträger im Mikroskop sichtbar gemacht werden. Milbenbefunde sind eine Geschicklichkeitssache.
Therapie: Hexachlorcyclohexan, oder eine 1%ige Lindan Lösung (Jacutin) durch mindestens 3 bis 4 Tage auf das gesamte Integument mit Ausnahme des Kopfes oberhalb der Kinnlinie. Anschließend eine antiekzematöse Nachbehandlung. Vorsicht bei Behandlung von Kindern ( Resorptionsgefahr). Permethrin ist ebenfalls ein geeignetes Mittel zur Krätzebekämpfung. Durch die sehr kurze Anwendungsdauer (in der Regel reicht die einmalige Anwendung) und die deutlich geringere Toxizität für den Menschen sollte es zum Mittel der ersten Wahl gewählt werden.
Während der Behandlung sollten alle Gegenstände, mit denen andere Personen in Kontakt kommen, regelmäßig desinfiziert werden, um eine Übertragung zu verhindern. Ebenfalls ist auf häufige Reinigung von Bett- und Leibwäsche zu achten. Diese sollte nach Möglichkeit mit 90°C gewaschen werden; wenn dies nicht möglich ist, kann die Wäsche für min. 72 Stunden z. B. in Plastiksäcken fest eingelagert werden, um den Milben die Nahrungsgrundlage zu entziehen (die Milben können nicht sehr lange außerhalb des menschlichen Körpers überleben).
Komplikationen: Impetiginisation, Lymphangitis, Lymphadenitis, Erysipel, Phlegmone, Sepsis.
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