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Dermatologie und Venerologie


 

Verbrennung

Eine Verbrennung ist ein akuter Hitzeschaden der Haut, der gesetzte Schaden ist durch Grad, Ausdehnung, Tiefe und Vorhandensein von Allgemeinsymptomen (Verbrennungskrankheit) charakterisiert. Allgemeinsymptome treten meist ab Verbrennungen von lo % der-Körperoberfläche ( 2. Gradig) auf, doch regieren die Individuen sehr unterschiedlich (Kinder neigen mehr zu Allgemeinerscheinungen).

Gradeinteilung:
I° : Erythem. Heilt mit restitutio ad integrum (ohne Narben)
II°: Erythem und Blasen. Die Blasen entstehen durch vakuolisierende Degeneration der Epidermalzellen ( intraepidermal wie auch durch Ablösen der Epidermis in der dermo-epidermalen Junktionszone, junktionale Blasen ). Sehr schmerzhaft. Heilt mit restitutio ad integrum.
III°: Koagulationsnekrose von Epidermis und verschieden tief. Weiße,  trockene anästhetische Areale daneben meist Areale mit 2.gradiger  und 1.gradiger Verbrennugn . Unterscheidung von Grad II und III oft schwierig ( besonders in der Frühphase; endgültige Beurteilung nicht vor 24 Stunden möglich ). Unterscheidungsmöglichkeit: Nadelstich wird im 3.gradig verbrannten Areal nicht verspürt. Heilt mit Narben.
IV°:  Verkohlung. Schweregrad der Verbrennung ist eine Funktion des Produktes von Temperatur und Einwirkungsdaue . Ein Teil des Schadens kann daher oft durch sofortige Behandlung mit kaltem Wasser verhindert werden. Verbrühungen durch Flüssigkeiten mit hohem Wärmespeichervermögen ( viscöse ) setzen schwerere Schäden als solche mit niedrigem Dampf.

Die Verbrennungskrankheit ist eine potentiell lebensbedrohliche pathophysiologische Reaktion des Organismus auf Verbrennungen. Am Ort der Hitzeeinwirkung kommt es zur Weitstellung und Permeabilitätssteigerung der Gefäße, oft excessiver Ödembildung und Anhäufung saurer toxischer Stoffwechselproduk.te. Die Folge ist Hämoconcentration, Ansteigen des Hämamatokrit eventuell hämodynamischer Schock, Verbrennungsschock. Additiv wirken können der Unfallschock und der Schrmerzschock, maximale Steigerung des Sympathikotonus mit Versacken des Blutes in den inneren Organen.

Therapie
1) Sofortmaßnahmen: Analgesie. Keine Brandsalben oder andere Hausmittel anwenden  Kleider entfernen, Abdecken mit sauberen Tüchern, Kälteschutz.
2) Beurteilung der Schwere: Bestimmung von Grad, Ausdehnung Neunerregel nach Wallace: Kopf und Arme je 9 % der Körperoberfläche, Beine je 18 %, Rumpf 36 %, Schockzeichen ( Puls, RR, Durchblutung der Akren, Bewußtseinslage ).
3) Anlegen der Dauerinfusion: ( ab lo % der Ausdehnung II° indiziert ). Zusätzlich Antibiotika, bei Bedarf Azidosebehandlung  Bicarbonat- oder Trispufferlösungen.



Erfrierung (Congelatio)

Erfrierungen stellen akute Kälteschaden der Haut dar und entstehen durch Einfrieren; sie können von Symptomen von Unterkühlung des Körpers begleitet sein. Gradeinteilung:
I°: Erythem
II°: Erythem und Blasen:  Letztere entstehen durch Abhebung der Epidermis von der Dermis in der Junktionszone (junktionale Blase ) und sind häufig hämorrhagisch.
III°: Nekrose. Weiße, steifgefrorene Bezirke, insbesondere Akren, geht nach Auftauen in Mumifikation und Gewebsverlust über. Abheilung mit Narben oder Verlust von Körpergliedern.

 

Pathophysiolgie

Reflektorische Hyperämie, gefolgt von Vasokonstriktion (Weißverfärbung), langsames Erfrieren des Gewebes (Haut friert bis -2 bis -10°C ein). Hierbei Ausbildung von Eiskristallen intra- und extracellulär, führt zu mechanischer Destruktion. Gleichzeitig Konzentrationsanstieg von Elektrolvten etc. im noch flüssigen Volumsanteil,-teilweiser Ausfall der Enzymsysteme durch Inaktivierung bei unterschiedlichen Temperaturen; dadurch Ungleichgewicht des Metabolismus --> toxischer Gewebsschaden.

Merke: der so entstandene Gewebsschaden ist teilweise reversibel, wenn schnell aufgetaut wird ( warmes Wasser Die alte Lehrmeinung, daß man langsam auftauen muß, ist falsch). Es ist zwar das Argument richtig, daß bei raschem Auftauen der Sauerstoffverbrauch des Gewebes schneller ansteigt als die noch nicht intakte Blutzirkulation mithalten kann, doch ist die dadurch bedingte Hypoxämie weniger schwerwiegend als der toxische Gewebsschaden, der bei langsamen Auftauen gesetzt wird. Das rasche Auftauen ist sehr schmerzhaft, zum Teil wegen der plötzlichen Freisetzung von vasoaktiven Substanzen ( Histamin u.ä.) durch kältebedingte Mastzelldegranulation. Besonders heftige Gewebsschäden entstehen bei wiederholtem Einfrieren und Auftauen. Es ist daher von sehr großer Wichtigkeit, daß eingefrorene Extremitäten erst am Ziel ( Krankenhaus ) aufgetaut werden.

Therapieprinzipien:

  • rasches Auftauen ( siehe oben)
  •  Erwärmung von innen, durch Anheben der sogenannten Kerntemperatur ( heibe Getränke etc.)
  • Möglichst konservatives und geduldiges Vorgehen, da die Nekrosen häufig viel weniger tief gehen als man vermutet. Mö2lichst trocken halten, um eine feuchte Gangrän zu verhindern. Spontandemarkation abwarten.
  • Antibiotika.
  • Schocktherapie nicht erforderlich.


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