
Zur Herpes Viren Gruppe zählt man mehrere verschiedene Viren, unter ihnen das Herpes simplex Virus, das Varicella zoster Virus, das Cytomegalievirus oder das Epstein Barr Virus.
Die Herpes simplex Infektion ist eine Infektion mit dem humanen Herpes simplex Virus. Es werden hier zwei Typen unterschieden, einerseits den Typ der mit einer Gingivostomatitis vergesellschaftet ist und andereseits die Vulvovaginitis herpetica. Grundsätzlich kann man zwischen Primärinfektionen, Lokalrezidiven und Reinfektionen unterscheiden. Typischer Ablauf: beim ersten Kontakt mit dem Herpesvirus kommt es in der überwiegenden Zahl der Fälle zu einer subklinischen Infektion, die zu einer partiellen Immunität führt und durch verschiedene Klassen von Antikörpern serologisch nachgewiesen werden kann. In einer geringeren Zahl kommt es zu einer dramatisch ablaufenden Erstmanifestation, die meist das Bild einer Gingivostomatitis herpetica (Typ I) oder Vulvovaginitis herpetica ( Typ II ) annimmt. Im Zuge der primären Manifestation kommt es zur Aszension der Herpesviren über die sensiblen Hautnerven zu den regionären Dorsalgangien; die Viren führen hier zu einer latenten Infektion. Dies stellt entweder den Abschluß der pathogenetischen Kette dar (asymptomatische Keimträger ) oder aber es kommt durch Descension wieder entlang der Hautnerven, beliebig oft zu rezidivierenden Hautläsionenen. es entsteht der ( chronisch ) - rezidivierende Herpes simplex, der sich zumeist an der Stelle der Primärmanifestation findet und daher typischerweise als Herpes genitalis in Erscheinung tritt. Die Rezidive werden häufig durch exogene Ursachen ( passagere Senkung der Abwehrlage ) getriggert: Herpes menstrualis, Fieberblasen, Triggerung durch UV-Licht ( " Gletscherblasen"). Solche rezidivierenden Herpes Läsionen laufen manchmal heftig, in der Regel jedoch eher milde ab und beschränken sich häufig auf klinisch symptomlose Freisetzung von Herpes Viren aus der Mund- oder Genital-Schleimhaut (Speichel bzw. Genitalsekrete dann infektiös !) solche nahezu symptomlosen Rezidive stellen die Hauptansteckungsquelle dar.
Primäre herpetische Gingivostomatitis: Alter Name: " Stonatitis aphtosa " im Volksmund auch Mundfäule genannt
Nach einer Inkubationszeit zwischen 3 und l0 Tagen auftretende, meist die Mundschleimhaut und den Pharynx umfassende, diffuse Rötung mit sehr zahlreich, außerordentlich schmerzhaften Bläschen, begleitender Lymphadenitis und häufig hohem Fieber. Nahrungsaufnahme sehr schmerzhaft, Foetor ex ore, Sialorrhoe. Nach einigen Tagen Umwandlung der Bläschen in schmierig belegte, konfluierende, ausgedehnte, oberflächliche Erosionen. Die Abheilung erfolgt spontan nach zumindest 2 Wochen. Prädilektionsalter: Kleinkindesalter.
Primäre herpetische Vulvovaginitis
Ein analoges Bild, transponiert auf den weiblichen Genitaltrakt. Befallen sind hier hauptsächlich junge Mädchen und Frauen. Diffuse Schwellung des gesamten äußeren Genitales mit reichlich Herpes-Bläschen, die sich in die Urethra und Harnblase fortsetzen können. Dementsprechend die Beschwerden: Dysurie, manchmal Haematurie, Harnretention, Hohes Fieber, regionäre Lymphadenolpathie manchmal Meningismus.
Differentialdiagnose: Kontakt-Dermatitis der Vulva, Lues II, schwere Candidiasis.
Primäre herpetische Genital Infektion beim Mann: Analog, jedoch seltener und wenig intensiv.,
(Chronisch) rezidivierender Herpes simplex
Dies ist die häufigste Manifestation des Herpes simplex allerdings schwankt die Rezidiv Häufigkeit außerordentlich von nur einigen Episoden im ganzen Leben bis zu mehreren Attacken im Monat. Grundsätzlich handelt es sich wahrscheinlich um einen wenn auch oft viele Jahre andauernden selbstlimitierten Zustand. Ähnlich verschiedenartig ist die Ausprägung der Symptome die von einer kaum merkbaren, juckend-brennenden Sensation bis zu ausgedehnten multiplen Herden mit Systembeschwerden reichen kann.
Im typischen.Fall handelt es sich um einen bis münzgroßen, erythematösen, mit gruppierten Bläschen von wasserklarem Inhalt bestehenden Herd; im Laufe einiger Tage kommt es zur Vereiterung und dann Eintrocknung der Bläschen, Verkrustung, Rückgang der entzündlichen Veränderungen und Abheilen ( bei schweren Fällen mit atrophen Narben) Die subjektiven Beschwerden bestehen aus anfangs juckenden , später brennenden Schmerzen; häufig eine begleitende, manchmal ebenfalls schmerzhafte Lymphadenitis.
Prädilektionsstellen: Lippen, Gesichlt ( Typ I), Genitale, Sakralgegend ( Typ II ).Obwohl bei der Primärmanifestation die Mundschleimhaut besonders massiv befallen ist, treten chronisch-rezidivierende Herpes-Läsionen nur sehr selten auf dieser auf; aphthöse Veränderungen der Mundschleimhaut sind in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nicht herpetisch ! ( sondern chronischrezidivierede Aphthen oder Erythema multiforme ).
Differentialdiagnose: sämtliche herpetische Läsionen anderer Natur, vor allem abortive Fälle von Herpes Zoster. Unterscheidungsmerkmal: in einem Zosterherd sind sämtliche Bläschen im gleichen Entwicklungsstadium, bei Herpes simplex herrscht ein gemischtes Bild vor.
Merke: chronisch-rezidivierender Herpes simplex ist der häufigste und wichtigste Trigger des Erythema exsudativum multiforme!
Die Behandlung des Herpes simplex geschieht bei der primären herpetische Infektionen mit symptomatischen Mitteln (Mundspülunge bzw. Sitzbäder, entzündungshemmende Mittel, Analgetika etc. behandelt). Applikation von Lokalanästhetika Lösungen kann indiziert sein ( allerdings sind Lokalanästhetika stark kontaktsensibilisierend). Acyclovir systemisch kann unter Umständen in Erwägung gezogen werden.
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