
Die akute Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. Vor allem Kinder im Kindergartenalter sind häufig betroffen. Ursache sind meist Bakterien, oft kann aber auch im Rahmen einer viralen Erkältung oder einer Grippe zusätzlich ein bakterielle Infektion die Mittelohrentzündung auslösen.
Welche Symptome hat man bei einer Mittelohrentzündung?
Typisch sind plötzlich auftretende, starke, meist einseitige Ohrenschmerzen. Zusätzlich bestehen meist noch Halsschmerzen als Zeichen einer Erkältung. Fieber und allgemeines Kranheitsgefühl mit Schwäche, Müdigkeit und Appetitlosigkeit sind weitere Zeichen. Auch Durchfall und Erbrechen können hinzu kommen. Bei Kindern erkennt man eine Mittelohrentzündung dadurch, dass sie die Hand ständig ans schmerzende Ohr halten. Beim betroffenen Ohr findet man immer auch eine Hörminderung. Manchmal kann es vorkommen, dass spontan ein Loch im Trommelfell entsteht und der Eiter kann abrinnen, was man als Ausfluss aus dem Ohr und einer deutlichen Schmerzreduktion erkennen kann.
Wie kommt es zu einer Mittelohrentzündung?
Ursache für eine Mittelohrentzündung sind Bakterien die vom Rachen aus ins Mittelohr über die Ohrtrompete einwandern. Die Ohrtrompete (Tuba auditiva) verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum. Sie ist notwendig um eine ausreichende Belüftung des Mittelohrs zu gewährleisten, ein Druckausgleich kann stattfinden, Sekret welches im Mittelohr gebildet wurde, kann abtransportiert werden und zudem schützt die Ohrtrompete das Mittelohr vor Infektionen. Bei Kindern bis zum siebten Lebensjahr ist die Funktion dieser Tube nicht vollständig ausgebildet, weshalb vor allem Kinder bis zu diesem Alter betroffen sind. Durch die Schutzimpung selten geworden ist ein akute, schwer gewebszerstörende Mittelohrentzündung bei Masern. Diese befällt recht rasch das Trommelfell und die Gehörknöchelchen und löst dort starke Gebebsschädigungen aus, die nach dem Ablauf der Erkrankung chirurgisch sarniert werden müssen.
Welche Untersuchung führt der Arzt bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung durch?
Meist kann der Arzt schon durch die oben beschriebenen Symptome eine Diagnose stellen. Der Blick mit einem Ohrtrichter ins Ohr bestätigt ihm diesen Verdacht. Er sieht eine Veränderung des Trommelfells und eventuell eitrige Absonderungen im äußeren Gehörgang.
Wie wird eine Mittelohrentzündung behandelt?
Die drei Säulen der Behandlung von Mittelohrentzündungen sind Antibiotika, Schmerzmittel und abschwellende Nasentropfen. Antibiotika sind Medikamente die Bakterien bekämpfen können. Der Arzt wird Sie über die Nebenwirkungen aufklären, ebenso sind diese in der Verpackungsbeilage aufgeführt. Typische Symptome der Antibiotikabehandlung sind vor allem Durchfall und Übelkeit, da auch Darmbakterien durch die Behandlung abgetötet werden. Auch Allergien können bei allen Arten von Antibiotika vorkommen. Die Behandlung verläuft in aller Regel über fünf Tage hinweg und bewirkt vor allem eine rasche Abnahme der Schmerzen. Zudem verhindert eine ausreichende Antibiotikatherapie das Auftreten von Komplikationen. Neben den Schmerzmitteln werden meist auch noch abschwellende Nasentropfen verwendet.
Warum verschreibt der Arzt Nasentropfen, wenn mein Kind doch unter Ohrenschmerzen leidet?
Der Grund liegt in der oben beschriebenen Ohrtrompete, die das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum verbindet. Verabreicht man Nasentropfen, so schwillt diese Ohrtrompete ab und ein ausreichende Belüftung bewirkt das Abheilen der Entzündung. Das Mittelohr ist vom äußeren Gehörgang durch das Trommelfell abgedichtet. Ohrentropfen können daher nicht bis ins Mittelohr vordringen.
Ist eine Mittelohrentzündung gefährlich?
Eine Mittelohrentzündung verschwindet in den allermeisten Fällen so rasch wie sie gekommen ist. Komplikationen sind bei einer Mittelohrentzündung selten, sind dann aber nicht selten gefährlich. Vermehrt treten solche Entzündungen bei ungenügender oder nicht stattgefundener antibiotischen Therapie auf, weshalb die Einnahme von Antibiotika immer noch empfohlen wird. An Komplikationen gibt es die Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr, eine Mitbeteiligung des Innenohrs mit Innenohrschädigung, oder Abszesse im Bereich des Gehirns, der Gehirnhäute oder der Gehirgefäße. Zudem kann es zu einer Schädigung des Gesichtsnerven (Nervus Fazialis) kommen.
Was wird gemacht, wenn eine Mittelohrentzündung besonders häufig auftritt?
Tritt eine Mittelohrentzündung mehr als sechs mal pro Jahr auf, spricht der Arzt von einer rezidivierenden Mittelohrentzündung (rezidivierende Otitis media). In einem solchen Fall kann eine Operation sinnvoll sein, wobei dabei die Rachenmandeln (Adenoide) entfernt und ein kleines Metallröhrchen (Paukenröhrchen) ins Trommelfell eingelegt wird. Dadurch wird versucht die Hauptursache, eine gestörte Funktion der Ohrtrompete, zu beeinflussen. Zusätzlich werden in Absprache mit dem Kinderarzt möglichst alle gegen Bakterien verfügbaren Impfungen durchgeführt. Dazu zählen Impungen gegen Pneumokokken und Hämophilus Influenza. Eventuell wird sich der behandelnde Arzt auch zu einer länger dauernden Antibiotikatherapie entschließen.
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