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HNO - Hals- Nasen- Ohrenkrankheiten


Hörsturz

Der Hörsturz ist ein plötzlicher Verlust des Hörvermögens.

Was versteht der Arzt  unter einem Hörsturz?
Ein plötzlicher einseitiger Verlust der Hörfähigkeit  wird als Hörsturz bezeichnet. Einige Patienten beschreiben, daß der Verlust der Hörfähigkeit blitzschnell morgens beachtet wurde,  ander wiederum berichten, daß er sich schnell über eine Zeitdauer von Stunden oder Tagen entwickelte. Das Ausmaß des Verlustes der Hörfähigkeit schwankt jedoch von einem Patienten zu einem anderen, wobei nur ein Ohr normalerweise betroffen ist. Nur in einigen Fällen ist eine Beteiligung beider Ohren (Fetterman et al. 1996) beschrieben worden. Mit dem Hörsturz gemeinsam kann auch ein Tinnitus (Ohrgeräusch) und/oder ein Schwindel auftreten(Mattox und Simmons 1977). Bezüglich der Geschlechtsverteilung gibt es keinen Unterschied zwischen Männer und Frauen. Der Altersdurchschnitt der Erkrankten liegt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, wobei prinzipiell in jedem Alter ein Hörsturz auftreten kann. 


Welche Ursachen gibt es für einen Hörsturz?
Es gibt sehr viele möglichen Ursachen für einen  plötzlichen Verlust der Hörfähigkeit, dazu gehören Gefäßerkrankungen, Entzündungen durch Viren oder Bakterien, ein sog. Morbus Meniere, Stoffwechselerkrankungen, immunologische Erkrankungen, selten auch Tumore, dann meist gutartige Nerventumore. Die überwiegende Zahl der Fälle erleidet jedoch einen Hörsturz ohne ersichtlichen Grund  (Hughes et al. 1996). Die Untersuchungen die beim Hörsturz gemacht werden, zielen in aller Regel darauf ab, die selteneren, bekannten Ursachen auszuschließen.

Welche Untersuchungen werden beim Hörsturz durchgeführt?
Zu Beginn steht die Befragung (Anamnese) durch den Arzt. Dann erfolgt die körperliche Untersuchung. Dies erfordert im  Allgemeinen ein Audiogramm. Die Betrachtung des Gehörgangs und des Trommelfells mit dem Ohrmikroskop zeigen typischerweise keine Veränderungen. Ebenso werden Blutuntersuchungen durchgeführt, um möglicherweise vorhandenen Infektionen und Stoffwechselerkrankungen auszuschließen. Bezüglich der Infektionskrankheiten wird vor allem in Richtung einer durch Zecken übertragbaren Lyme Borreliose gefahndet, ebenso wird das Blut auf das Vorhandensein von Viruserkrankungen untersucht. Unter den Viren, die einen Hörsturz verursachen können, fallen die Viren der Herpes Gruppe, vor allem das Varicella zoster Virus. Es gibt auch beschriebene Fälle in denen ein Hörsturz mit einer HIV Infektion in Zusammenhang gebracht wird. Eine Untersuchung auf HIV ("AIDS" Test) benötigt die spezielle Zustimmung des Patienten. Von den Stoffwechselerkrankungen kommen vor allem die Zuckerkrankheit und die Schilddrüsenfunktionsstörung in Betracht.

Eine Kerspintomographie (MRI) des Gehirns wird empfohlen, wenn der Arzt aufgrund der Untersuchungen den Verdacht auf einen gutartigen Tumor des Hörnerven, das sog. Akustikusneurinom äußert.

Wie wird der Hörsturz behandelt?
Wegen der unklaren Ursache in den meisten Fällen der Erkrankung, ist die Therapie des Hörsturzes nicht einheitlich. In den allermeisten Fällen wird eine Therapie angewendet die vor allem aus der Verbreichung von Kortison besteht, meist in Kombination mit Durchblutungsfördernden Medikamenten. Kortison ist jenes Medikament, das in Bezug auf den Hörsturz die beste Wirksamkeit in Studien hervorgebracht hat.  (Wilson und. Al 1980, Moskowitz und. Al 1984). Die Literatur ist jedoch betreffend der Dosis und der Dauer der Behandlung bis heute uneinheitlich. Die Wirksamkeit einer hyperbaren Sauerstoffbehandlung ist weiterhin umstritten, obgleich einige Studien dargestellt haben, daß eineVerbesserung beim Hören durch eine hyperbare Sauerstoffbehandlung (Fattori et al. 2001, Narozny et al. 2004) in bestimmten Fällen vorhanden ist. Dennoch ist die Zahl der Studien zu gering um eine ablschließende Empfehlung geben zu können. (Horn et al. 2005).

Erschwerend in der Beurteilung der Wirksamkeit von Medikamenten kommt neben der meist unbekannten Ursache des Hörsturzes noch die Tatsache hinzu, dass in 80% der Fälle auch ohne Medikamente eine Erhohlung der Hörminderung einsetzt.

Antivirale Mittel werden dann eingesetzt, wenn durch den Blutbefund ein Hinweis auf eine bestehende Virusinfektion vorliegt. Liegt eine Borrelien Infektion durch einen Zeckenbiss vor, so wird mit Antibiotika, die als Infusionen verabreicht werden, über einige Tage hinweg behandelt.

Bezüglich der oft angewendeten Gefäßerweiternden Substanzen, die entweder in Form von Infusionen oder in Form von Tabletten verabreicht werden, ist die Wirksamkeit bis heute weiterhin umstritten. (Kronenberg et al. J 1992, Probst et al. 1992, Fetterman et al. 1996).



Wie ist die Prognose eines Hörsturzes?
In den allermeisten Fällen erholt sich ein Hörsturz innerhalb der ersten 10 Tage. So lange wird meist auch eine Therapie mit Kortison und Durchblutungsfördernden Mitteln eingesetzt. Tritt in dieser Zeit keine Erholung ein, so kann der plötzliche Hörsturz in einer dauernden Hörminderung des betroffenen Ohres münden. Da beim Hörsturz meist nur ein Ohr betroffen ist, wird in aller Regel kein Hörgerät nötig sein. Dies ist nur dann der Fall, wenn der Patient Schwierigkeiten in der Ausübung des Berufs angibt, dies kann z.B. bei Lehrern der Fall sein. Bei der Anpassung an das Hörgerät ist man allerdings recht zurückhaltend, da ein Hörgerät wie ein Verstärker funktioniert und das empfindliche Ohr zusätzlich mit lauten Geräuschen und Tönen belastet. Die Hauptschwierigkeiten bei einer Schwerhörigkeit des Innenohrs besteht vor allem im Verständnis von Sprache wenn gleichzeitig viele zusätzliche Störgeräusche vorhanden sind.

Ist ein Hörsturz psychisch bedingt?
Gerade beim Hörsturz wird immer wieder ein Zusammenhang zwischen psychischen Belastungssituationen und dem Auftreten der Erkrankung beobachtet. Der Hörverlust als Zeichen des "nicht mehr Hören" könnens, ist dabei oft Ausdruck einer Überbelastung. Eine umfassende Behandlung der Erkrankung sollte immer auch die Aspekte der derzeitigen Belastungssituationen beinhalten. 

Referenzen

Fattori B. Berrettini S. Casani A. Nacci A. De Vito A. De Iaco G. Sudden hypoacusis treated with hyperbaric oxygen therapy: a controlled study. Ear, Nose, & Throat Journal. 80(9):655-60, 2001.

Fetterman BL. Saunders JE. Luxford WM. Prognosis and treatment of sudden sensorineural hearing loss. American Journal of Otology. 17(4):529-36, 1996.
 
Horn CE. Himel HN. Selesnick SH. Hyperbaric oxygen therapy for sudden sensorineural hearing loss: a prospective trial of patients failing steroid and antiviral treatment.Otology & Neurotology. 26(5):882-9, 2005 Sep.

Hughes GB, Freedman MA, Haberkamp TJ, Guay ME. Sudden sensorineural hearing loss. Otolaryngologic Clinics of North America. 29(3):393-405, 1996.
 
Kronenberg J. Almagor M. Bendet E. Kushnir D. Vasoactive therapy versus placebo in the treatment of sudden hearing loss: a double-blind clinical study. Laryngoscope. 102(1):65-8, 1992.

Mattox DE, Simmons FB: Natural history of sudden sensorineural hearing loss. Annals of Otology, Rhinology & Laryngology. 86:463-80, 1977.

Moskowitz D, Lee KJ, Smith HW. Steroid use in idiopathic sudden sensorineural hearing loss. Laryngoscope. 94:664-6, 1984.

Narozny W. Sicko Z. Przewozny T. Stankiewicz C. Kot J. Kuczkowski J. Usefulness of high doses of glucocorticoids and hyperbaric oxygen therapy in sudden sensorineural hearing loss treatment.Otology & Neurotology. 25(6):916-23, 2004.

Probst R. Tschopp K. Ludin E. Kellerhals B. Podvinec M. Pfaltz CR. A randomized, double-blind, placebo-controlled study of dextran/pentoxifylline medication in acute acoustic trauma and sudden hearing loss. Acta Oto-Laryngologica. 112(3):435-43, 1992.

Slattery WH. Fisher LM. Iqbal Z. Friedman RA. Liu N. Intratympanic steroid injection for treatment of idiopathic sudden hearing loss. Otolaryngology - Head & Neck Surgery. 133(2):251-9, 2005.  
 .
Wilson, WR, Byl, FM, Laird, N. The efficacy of steroids in the treatment of idiopathic sudden hearing loss: a double-blind clinical study. Archives of Otolaryngology. 106(12):772 776, 1980.

 


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