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HNO - Hals- Nasen- Ohrenkrankheiten


 

Schwindel

Der Schwindel gehört zu den häufigsten Symptomen überhaupt. Die Abklärung der Ursache ist manchmal recht aufwendig und schwierig, da es sehr viele Ursachen für dieses Symptom gibt.

Der Schwindel ist eines der häufigsten Symptome überhaupt, mit denen ein Arzt konfrontiert wird. Aufgrund der mannigfaltigen Ursachen betreffen den Schwindel alle Altersgruppen, wobei er mit zunehmnenden Alter häufiger auftritt. In den allermeisten Fällen ist der Schwindel eine harmlose, gut behandelbare Erscheinung. In wenigen Fällen jedoch kann eine schwerwiegende Ursache hinter einem Schwindel stecken. Es ist Aufgabe des Arztes zwischen diesen den verschiedenen Formen des Schwindels zu unterscheiden.

Prinzipiell gehen Schwindelgefühle vom Gleichgewichtsorgan, vom Gehirn oder vom Herz-Kreislaufsystem aus. Aber auch Stoffwechselstörungen, Vergiftungen oder psychogene Effekte können einen Schwindel verursachen.

Selbst der Begriff Schwindel ist kein einheitlicher. Unter Schwindel fallen eine Vielzahl von Wahrnehmungen, die alle vom Patienten als Schwindel beschrieben werden. Dazu zählen der Drehschwindel, Schwankschwindel, Liftschwindel ebenso wie verschwommenes Sehen oder ein Schwarzwerden vor den Augen.

Welche Ursache kann ein Schwindel haben?
Es gibt eine Menge von Ursachen, die für das Auftreten eines Schwindels in Frage kommen. Für den Hals-Nasen-Ohren Arzt sind vor allem die Schwindelformen relevant, die vom Gleichgewichtsorgan ausgehen. Danaben gibt es Schwindel die vom Gehirn ausgehen. Man nennt diese Schwindelart zentraler Schwindel, im Vergleich zu den Schwindelformen die durch das Gleichgewichtsorgan ausgelöst werden und als vestibulärer Schwindel bezeichnet werden (der lateinische Begriff für das Gleichgewichtsorgan ist Vestibularorgan). Weitere häufige Ursachen für Schwindel liegen im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems. Der häufigste Grund ist hier der niedrige Blutdruck, der einen Schwindel auslösen kann. Aber auch Herzerkrankungen können Schwindel auslösen. Es gibt auch psychogen ausgelöster Schwindel. Auch Augenerkrankungen können Schwindel auslösen. Es gibt also viele verschiedene Erkrankungen, die alle Schwindel als Symptom aufweisen. Es gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Arztes zu unterscheiden, woher der Schwindel rührt.

Welche Untersuchungen wird der Arzt beim Auftrten eines Schwindels durchführen?
Im Zentrum steht die genaue Befragung (Anamnese) durch den Arzt. Die Art des Schwindels, wie Drehschwindel, Liftschwindel oder Schwankschwindel, die Dauer des Schwindels, ob der Schwindel schnell und heftig oder eher langsam und Dauerhaft auftritt, ob er durch Bewegung verstärkt wird, ob er durch bestimmte Körperlagen beeinflusst werden kann und ob Begleitsymptome wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber vorhanden sind. Zustäzlich wird sich der Arzt über das Vorhandensein von Stoffwechselstörungen wie der Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenfunktionsstörungen erkundigen. All dies gibt dem Arzt wichtige Hinweise um die Ursache des Schwindels zu erfassen. Eine genaue Anamnese leitet den Arzt meist in eine bestimmte Richtung, so dass er nicht jedesmal alle Untersuchungen einsetzten muss, sondern nur noch gezielt wenige Untersuchungen durchführen wird.

Zu den Untersuchungen gehört die Untersuchung des Gleichgewichtsorgans, die Untersuchung auf Störungen des Gehirns, der Hirnhäute und der Hirndurchblutung - eine sog. neurologische Untersuchung - sowie die Untersuchung auf Erkrankungen des Herz-Kreislauf Systems und des Stoffwechsels.

Vermutet er die Ursache im Bereich des Gleichgewichtsorgans wird er spezielle Gleichgewichtsprüfungen durchführen. Vermutet er eine Schädigung des Gehirns, so werden eher bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie oder eine Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT, MRI) zum Einsatz kommen. Zur Abklärung von Herz-Kreislauf Erkrankungen werden Blutdruckmessungen, Ultraschall und EKG zur Anwendung kommen. Um Stoffwechselerkrankungen abklären zu können, wird der Arzt Blutuntersuchungen anordnen.



 

Die verschiedenen Schwindelformen sind

Peripher-vestibulärer Schwindel

Der benigne, paroxysmale Lagerungsschwindel

Die Neuritis vestibularis

Zentral vestibulärer Schwindel

Psychogene Schwindelformen

Nicht-vestibuläre organische Schwindelformen

 

Peripher-vestibulärer Schwindel
Unter einem peripher vestibulären Schwindel versteht der Arzt ein Schwindel der vom Gleichgewichtsorgang, bzw. von dessen Nerv verursacht wird. Grundsätzlich  kann der Arzt zwei Formen einer peripher-vestibulären Erkrankung unterscheiden. Zum einen die inadäquaten, anfallsartigen Reizformen des Gleichgewichtssystems. Dazu zählt z.b. der sog.  benigne, paroxysmale Lagerungsschwindel. Beninge deutet auf die Gutatartigkeit der Erkrankung hin und des Wort paroxysmal wird vom Arzt verwendet, wenn ein anfallsartiges Geschehen vorliegt. Die zweite Möglichkeit des Schwindels im Bereich des Gleichgewichtsorgans ist der ein- oder beidseitigen Ausfall des Gleichgewichtsnerv, der sog. Vestibularisnervausfall. Dies kann entweder beim Morbus Meniere der Fall sein, oder es handelt sich um eine "Entzündung" des Gleichgewichtsnerven. Der Arzt spricht dann von einer Neuritis vestibularis.

Der benigne, paroxysmale Lagerungsschwindel
Der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel ist die häufigste Schwindelform überhaupt. Im Rahmen dieser Erkrankung kommt es zur Verschiebung von sehr, sehr kleinen Steinen, die sich im Gleichgewichtsorgan befinden. Beim Gesunden liegen diese Steinchen, auch Otoliten genannt, auf einem gelartigen Polster im Gleichgewichtsorgan. Durch Bewegungen im Raum führen diese Otoliten durch ihre Trägheit auf dem Gelpolster zur Reizung des Gleichgewichtsnerven. Werden diese Otoliten in die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans "gespült" kommt es zum auftreten von Schwindel. Die Patienten zeigen dann typische Symptome. Der Schwindel wird durch Änderung der Körperlage ausgelöst, deshalb der Begriff Lagerungsschwindel. Es kommt durch diesen Lagewechsel zu 20 bis 30 Sekunden anhaltenden Drehschwindelattacken, oft verbunden mit Übelkeit und Erbrechen. In Ruhe herrscht kein Schwindel. Der Arzt führt im Rahmen der Untersuchung sog. Lagerungsmanöver durch, die zu einem Schwindel und Augenzittern führen. Dieses Augenzittern wird vom Arzt als Nystagmus bezeichnet. Durch mehrere dieser Lagerungsmanöver tritt langsam eine "Ermüdbarkeit" der Schwindelreaktion ein. Das Lagerungsmanöver ist somit Untersuchungsmethode und Therapie gleichzeitig.

Die Neuritis vestibularis
Unter einer Neuritis vestibularis versteht der Arzt ein Ausfall des Gleichgewichtsorgans oder es dazughörigen Gleichgewichtsnerven. Als Ursache vermutet man in einem solchen Fall eine Entzündung des Nerven. Im Gegensatz zum Lagerungsschwindel kommt es zu einem langsam einsetzenden Drheschwindel mit Fallneigung zur betroffenen Seite, sowie Übelkeit und Erbrechen. Im Gegensatz zum Lagerungsschwindel ist der Schwindel beständig spürbar für den Patienten, durch Kopf- oder Körperbewegung wird er jedoch verstärkt. Diese Art des Schwindels wird durch Medikamente behandelt, die gezielt auf den Schwindel einwirken sollen. Unterscheiden muss der Arzt diese Krankheit vor allem vom Morbus Meniere, bei dem zusätzlich zum Schwindel noch eine Hörminderung und ein Ohrgeräusch hinzukommen. Ebenfalls kann ein "normaler" Hörsturz mit Schwindel einhergehen, auch dies muss vom Arzt unterschieden werden.

Beidseitiger Ausfall des Gleichgewichtsorgans
Die oben beschriebenen Erkrankungen befallen meist nur immer ein Innenohr, nur selten kommt es bei den oben beschriebenen Erkrankungen zum Ausfall beider Seiten. Findet der Arzt einen beidseitigen Ausfall des Gleichgewichtsnerven, so muss er auch an andere Krankheiten denken. Dies kann eine Schädigung durch Medikamente oder Gifte sein, oder z.B. eine Hirnhautentzündung, wobei diese Hirnhautentzündung dann die typischen Symptome zeigt.

Zentral vestibulärer Schwindel
Von einem zentral, vestibulären Schwindel spricht der Arzt, wenn er die Ursache für den Schwindel im Bereich des Gehirns, der Hirnhäute oder der Hirndurchblutung vermutet. Das Wort zentral weist auf eine Ursache im Bereich des Gehirns hin, mit vestibulär ist das Gleichgewichtssystem gemeint. Als Symptom zeigen diese Formen von Schwindel Sekunden. Auch Migräneformen können sich in Form von Schwindel äußern, wenn die Migräne vor allem Gefäße an der Hirnbasis betrifft. In einem solchen Fall treten die Schwindelattacken in Zusammenhang mit Kopfschmerzen auf. Dieser Kopfschmerz kann aber auch manchmal fehlen, was die Diagnose einer Migräne erheblich erschwert. Wichtig für den Arzt ist vor allem die Abklärung von Gefäßerkrankungen im Gehirn. Hat der Arzt den Verdacht auf eine Erkrankung der Hirngefäße, dann wird üblicherweise noch eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) und evt. eine Ultraschalluntersuchung der Halsgefäße durchgeführt.

Psychogene Schwindelformen
Psychogen ausgelöste Schwindelattacken sind ein relativ häufiges Phänomen. Häufig tritt der Schwindel in Form einer Benommenheit mit Schwankschwindel, Stand- und Gangunsicherheit bei bestimmten Situationen auf. Der Patient versucht dann, derartige Situationen zu vermeiden. Nicht selten findet man in der Vorgeschichte dieser Patienten eine Erkrankung des Gleichgewichtssystems in Form einer Neuritis vestibularis oder ein Lagerungsschwindel. Bei der Untersuchung findet der Arzt keinen Hinweis auf eine Erkrankung des Gleichgewichtssystems, der Gehirndurchblutung oder des Herz-Kreislaufsystems. Erst nach einer genauen Diagnostik wird der Arzt den Verdacht auf ein psychogenes Geschehen als Ursache für den Schwindel äußern. Die Behandlung findet immer erst nach Ausschluss aller möglicher körperlichen Ursachen statt und besteht im wesentlichen aus einer Psychotherapie die sowohl Verhaltensmassnahmen als auch Gespräche mit einbezieht. 

Nicht-vestibuläre organische Schwindelformen
Unter diesen Schwindelformen fallen alle möglichen Ursachen für Schwindel die nicht mit dem Gleichgewichtsorgan, dem Gehirn, den Gehirnhäuten und der Gehirndurchblutung zusammenhängen. Darunter fallen Schwindelgefühle die durch Herz Kreislauf Erkrankungen entstehen können, ebenso wie "Verschwommen sehen" mit Schwindelgefühl bei Augenerkrankungen, Stoffwechselstörungen wie die Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus) oder die Schilddrüsenfunktionsstörung, sowie bestimmte Nervenerkrankungen, die ebenfalls vor allem mit Gangunsicherheiten einhergehen können. Hier stützt sich der Arzt ebenfals wieder auf die zu Beginn durchgeführte Befragung (Anamnese) die ihm am meisten Hinweise auf die zu Grunde liegende Erkrankung gibt.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass es eine recht große Anzahl von Erkrankungen gibt, die alle als Symptom den Schwindel beeinhalten können. Es ist wichtig für den Arzt zu Beginn eine genaue Anamnese durchzuführen, um abschätzen zu können um welche Art von Schwindel es sich handelt. Im Anschluss daran wird er gezielt Untersuchungen anordnen oder an die jeweiligen Fachärzte verweisen.


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