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Somatologie für Pflegehelfer


 

Grundzüge der medizinischen Terminologie

In der Medizin wird sehr viel mit Fachwörtern gearbeitet, die meist aus dem Lateinischen, manchmal aus dem Griechischen und neuerdings sehr häufig aus dem Englischen übernommen werden. Sehr häufig folgen diese Begrifflichkeiten gewissen Grundprinzipien, enthalten spezielle Endungen oder Vorsilben, die immer wieder vorkommen. Die Fachsprache sollte nicht der Verwirrung der Patienten dienen, sondern eine Erleichterung in der Kommunikation von Fachkräften durch eine Vereinheitlichung bewirken. Zudem ist eine Fachsprache in der Lage, gewisse Inhalte in verkürzter Form darzustellen. Ein Beispiel: Appendizitis. Hier ist mit einem Wort geklärt, dass es sich um eine Entzündung des Wurmfortsatzes des Dickdarms handelt. Im Folgenden sollen die wichtigsten Begriffe, Wortstämme, Vorsilben, Endungen, Körperregionen und Fachbegriffe erläutert werden. Danach werden die Richtungsbezeichnungen erläutert.

 

Allgemeine Begriffe:

  • Somatologie: setzt sich zusammen aus dem Wortstamm "Soma" und der Endung "-logie". Soma bedeutet Leib und die Endung -logie weist auf eine Lehre hin. Beide Wortstämme sind griechischer Herkunft, somit ist die Somatologie die Lehre des Leibes im engeren Sinn und im weiteren Sinn die Lehre von den Eigenschaften des menschlichen Körpers.
  • Anatomie: setzt sich zusammen aus dem Präfix "Ana-" und "tomé ".  Ana- bedeutet "auf" und Tomie ist der Schnitt. Wörtlich übersetzt bedeutet Anatomie somit "Aufschnitt". Im medizinischen Sinn ist mit Anatomie die Lehre vom Bau der Körperteile gemeint. Beide Wortstämme sind griechischer Natur.
  • Physiologie (von griech. phýsis „die Natur“ und lógos „die Lehre“; griechisch: φυσιολογ?α) ist die Lehre von den normalen, gesunden Lebensvorgängen. Während beispielsweise die Anatomie ein Organ wie das Herz beschreibt (mit den einzelnen Schichten, den Herzhöhlen, etc.) beschäftigt sich die Physiologie mit den Funktionen des Herzens (Herzerregung, Herzmuskelbewegungen, Druck und Volumsbeziehungen, etc.).
  • Pathologie: Die Pathologie leitet sich vom griechischen "Pathos" ab, was soviel wei leiden, leidenschaft , erdulden, erleiden bedeutet. Somit ist die Pathologie die Lehre von den krankhaften Zuständen des Körpers. Es gibt eine Pathologie die sich damit beschäftigt die Krankheiten nach ihren anatomischen Veränderungen zu klassifizieren und wird als Pathologische Antomie der Pathophysiologie gegenübergestellt, die sich mit den krankhaften Lebensvorgängen (Funktionsstörungen) beschäftigt.
  • Histologie: Die Histologie ist die Lehre von den Geweben des Körpers. Sie ist historisch nach der Anatomie durch die Erfindung des Mikroskops entstanden. Mit Hilfe des Mikroskops kann man die einzelnen Organe genauer betrachten. Man kann jedoch nicht das gesamte Organ beurteilen, sondern nur sehr dünne und kleine (Aus-) schnitte des Organs (Gewebsstücke) können mit dem Mikroskop beurteilt werden können.
  • Zytologie: Während sich die Histologie mit Geweben (also sehr vielen Zellen in einem Verbund) beschäftigt, befasst sich die Zytologie mit dem Bau und der Funktion der einzlnen Zelle. Bei einer histologischen Untersuchung werden somit Gewebe mit einer zytologischen Untersuchung einzelne Zellen untersucht.


Häufig verwendete Wortstämme

In der medizinischen Fachsprache werden sehr häufig Wortstämme verwendet, wovon sich dann Ableitungen bilden. Einige Wortstämme wurden bereits oben angewendet, so z.B. Physio-, Zyto-, Histo-, Patho-. Aus diesen Wortstämmen werden Wörter gebildet, so kommt der Wortstamm Histo- z.B. in der Histologie, Pathohistologie, Histochemie, Immunbiohistochemie etc. vor, wobei mit Histo- immer ein Gewebe gemeint ist. Weitere Wortstämme sind:

  • Kardio- : Herz (Kardologie - die Lehre von den Herzkrankheiten, ElektroKardioGramm (EKG), etc.
  • Psycho- : ist der Wortstamm für "Geist" oder "Seele", vorkommend in der Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie. Nicht verwechseln sollte man deshalb die sehr ähnlich klingenden Wortstämme von Psycho und Physio. So beschäftigt sich ein Psychotherapeut mit der Behandlung von seelischen Konflikten, während ein Physiotherapeut sich mit mit den physiologischen Bewegungsmustern des Patienten befasst und Behandlungen in Form von Bewegungstherapien oder physikalischen Maßnahmen (Massagen, Bäder, Elektrotherapie, u.a.) durchführt.
  • Neuro-: ist der Wortstamm für "Nerv" und findet sich in den Begriffen Neurologie (Lehre von den Erkrankungen der Nerven - Achtung: nicht die Neurologie mit der Psychiatrie verwechseln), Neuroanatomie, Neurochirurgie, Neuraltherapie, etc. wieder.
  • Pulmo-: Lunge; in Pulmologie. Für Lunge existiert noch ein zweiter Wortstamm nämlich Pneumo- in Pneumonie (Lungenentzündung) oder Pneumothorax (Luft im Brustraum).
  • Nephro-: Niere; zu finden in Nephrologie, Nephritis, Nephrologe (Spezialist für Nierenerkrankung).
  • Derma-: Wortstamm für "Haut"; zu finden in Dermatologie, dermatologisch getestet. Dermatologe (Facharzt für Hautkrankheiten, die offizielle Bezeichnung lautet auf Dermatologie und Venerologie, wobei Venerologie nichts mit den Venen zu tun hat, sondern vom lateinischen venereum (als Ableitung von venus, der Liebeslust) abgeleitet wird und Geschlechtskrankheiten bezeichnet.
  • Ortho-: bedeutet gerade und kommt vor in der Orthopädie (welche sich mit Erkrankungn des Knochens, der Weichteile und der Gelenke beschäftigt, den Menschen also quasi "begradigen" will), Orthograd (in gerader, vorgegebener Richtung).
  • Bio-: leitet sich vom griechischen ab und bedeutet "Leben". Biologie, AntiBIOtika (wörtlich "gegen das Leben" ein nicht sehr glücklicher Begriff)...
  • Cerbral-: Gehirn; cerebraler Insult (Schlaganfall), cerebrovaskulär (von den Gehirngefäßen ausgehend).

Endungen

Neben den Wortstämmen finden sich in medizinischen Fachbegriffen häufig immer wieder vorkommende Endungen. Einige Beispiele dafür sind:

  • -logie: ist vom griechischen Logos abgeleitet und bedeutet "Lehre": Kardiologie (Lehre vom Herzen und den Herzerkrankungen), Nephrologie (Nierenlehre), Pulmologie (Lungenlehre), etc.
  • -pathie: Wie Patho- als Wortstamm bedeutet auch -pathie auch krankhafte Veränderungen.
  • -itis: Entzündung; Nephritis (Nierenentzündung), Neuritis (Nervenentzündung), Laryngitis (Entzündung des Kehlkopfs). Die einzige Ausnahme davon bildet die Lunge, deren Entzündung wird nicht Pneumitis sondern Pneumonie bezeichnet.
  • -algie: Schmerz; Neuralgie (Nervenschmerz)
  • -phil: "liebend"; z.B. Hydrophil (Wasserliebend) oder Lipophil (Fettliebend).
  • -phob: "abweisend" oder "ängstlich": z.B. Hydrophob (Wasserabweisend), Lipophob (Fettabweisend).

Vorsilben:

Neben den Endungen gibt es eine Reihe an Vorsilben, die immer wieder auftauchen. Beispiele hierfür sind:

  • prä-: "vor" in präoperativ, pränatal (vor der Geburt),...
  • post-: "nach" in postoperativ, posterior
  • peri-: "während" "um" in perinatal (während der Geburt) peripher (um das Zentrum), Periost (Knochenhaut: "um den Knochen").
  • intra-: innerhalb; intrazellulär (in der Zelle), intravaskulär (in den Gefäße).
  • extra-: außerhalb; extrazellulär (außerhalb der Zelle)
  • inter-: zwischen; Interzellulärsubstanz (Zwischenzellsubstanz)
  • sub-: unter; subcutan (unter die Haut), Submukosa (unter der Schleimhaut),...
  • supra-: über; suprapubisch (über dem Schambein)
  • anti-: gegen; Antibiotika, Antidepressiva (gegen Depressionen), Antidot (Gegenmittel).
  • poly: - viel; Polyurie (viel Harn),
  • oligo-: wenig; Oligurie (wenig Harn), Oligospermie (wenig Spermien)
  • "a": "kein"; Anurie (kein Harn), asymptomatisch (ohne Symptome)
  • Hyper-: "viel", Hypertonie (erhöhter "viel" Tonus der Gefäßmuskulatur, Tonus ist der Spannungszustand und somit erhöhter Blutdruck), Hyperglykämie (viel Zucker im Blut).
  • Hypo-: "wenig" Hypotonie (erniedrigter Blutdruck), Hypoglykämie (wenig Zucker im Blut).
  • Antero-: nach vorne gerichtet; Anterograd, Anterior
  • Retro-: nach hinten gerichtet; Retrograd

Weitere wichtige Begriffe, die sehr oft gebraucht werden

  • Klinik: mit Klinik ist einerseits natürlich das Krankenhaus gemeint, andererseits ist es auch ein medizinischer Terminus für alle Symptome einer Krankheit und deren Verlauf. Mit der Frage: "wie ist der Patient klinisch" erkundigt man sich nach den Symptomen des Patienten.
  • Symptom: Krankheitszeichen, eine für eine spezielle Krankheit typisches Zeichen.
  • Syndrom: Ein Krankheitsbild zusammengesetzt aus verschiedenen Symptomen.
  • Diagnose: Gesammeltes Urteil des Zustandes aufgrund von Beobachtungen und Untersuchungen. Es gibt Verdachtsdiagnosen, erhärtete Diagnosen, Fehldiagnosen,...
  • Dekurs: Verlauf.
  • Anamnese: Befunderhebung

 

Richtungsbezeichnungen im menschlichen Körper und Regionen

Für den Körper und deren Ausrichtung verwendet man oft spezielle Fachbegriffe um Richtungen und Zonen im Körper zu bestimmen. Ebenso werden die Regionen oft mit Fachausdrücken bestimmt.

Regionen im Körper

  • Caput / Kranium:Kopf / Schädel
  • Collum: Hals, ein anderes Wort für Hals ist auch Cervix (Cervis uteri z.B. ist der Gebärmutterhals).
  • Thorax: Brustraum
  • Abdomen: Bauch
  • Pelvis: Becken:
  • Extremitäten: Gliedmaßen
  • Dorsum: Rücken
  • Pes/Pedis: Fuß
  • Manus: Hand

Richtungen im Körper

dexter: rechts
sinister: links
median: in der Mitte gelegen
medial: zur Mitte hin gelegen
paramedian: neben der Mitte gelegen
lateral (von lat. latus = Seite): zur Seite hin gelegen
ipsilateral: auf der gleichen Seite befindlich
kontralateral: auf der gegenüberliegenden Seite befindlich 
dorsal* (dorsum = Rücken): rückenwärts
ventral* (venter = Bauch): bauchseitig bzw. am Bauch gelegen
kranial * (cranium = Schädel): zum Schädel hin (beim Menschen also oben, bei Tieren vorn)
kaudal* (cauda = Schwanz)
*Diese vier Bezeichnungen können kombiniert werden, wobei die Endsilbe (Suffix) des ersten Begriffs durch „o“ ersetzt wird: z. B. kraniodorsal (kopf-rückenwärts).
terminal: am Ende gelegen.

In Bezug auf das Körperzentrum werden die Begriffe
proximal (proximus = der Nächste): zum Körper hin gelegen oder verlaufend
distal (distare = sich entfernen): vom Körper entfernt gelegen oder verlaufend
profund (profundus = tief ): auf das Innere des Körpers zu
superficial (superficialis = oberflächlich): auf die Oberfläche des Körpers zu
anterior = vorn liegend = ventral
posterior = hinten liegend = dorsal
inferior = unten liegend = kaudal
superior = oben liegend = kranial

In Bezug auf die Wirbelsäule verwendet man:
prävertebral = vor der Wirbelsäule liegend
Zusätzliche Lage- und Richtungsbezeichnungen am Kopf
Am Kopf ist die Bezeichnung kranial nicht sinnvoll, für vorn orientierte Strukturen verwendet man daher die Begriffe.
oral (os = Mund): mundwärts, der Begriff oral fällt häufig in Bezug auf Nahrungsaufnahme oder Medikamente: orale Medikamente (Medikamente zum Einnehmen), orale Ernährung (normale Ernährung über den Mund und den Verdauungstrakt).

 


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