
Das Becken stellt die Verbindung der unteren Extremität mit dem Stamm dar. Die Rückwand des knöchernen Beckens wird vom Kreuzbein gebildet. Links und rechts davon verlaufen die beiden Hüftbeine (ossa coxae) nach vorne und vereinigen sich an der Schambeinfuge (Symphyse). Ein Hüftbein besteht aus drei miteinander verschmolzenen Knochen. Das Darmbein (os ileum), mit der Darmbeinschaufel und dem Darmbeinkamm, das Sitzbein (os ischii) mit den Sitzbeinhöckern und das Schambein. Alle drei Knochen beteiligen sich an der Bildung der Hüftgelenkspfanne.
Die Form des Beckens unterscheidet sich bei Mann und Frau. Beim Mann findet man ein eher enges Becken, die Frau besitzt eher ein ausladendes, breiteres Becken um den Durchtritt des Säuglings bei der Geburt zu ermöglichen. Das Becken der Frau begrenzt den Geburtskanal. Es gibt deshalb Messungen des inneren Beckenringes, die eine Abschätzung erlauben ob ein Kind mit seinem Kopf (der Ort des größten Umfangs beim Säugling) durch diesen Beckenring hindurchpasst. Der kürzeste Durchmesser ist zwischen Symphysenhinterfläche und dem Vorsprung des Kreuzbeines (Promotorium). Sie wird als "echter Durchmesser" (conjugata vera) bezeichnet und ist etwa 11,5 cm breit.
Das Hüftgelenk verbindet das Becken mit dem Oberschenkelknochen (Femur). Die Gelenkspfanne des Beckens umschließt den Gelenkskopf des Femur über die Äquatorialebene, weshalb dieses Kugelgelenk als Nussgelenk bezeichnet wird. Die Gelenkskapsel ist sehr stark ausgebildet, ebenso wie die umgebende Muskulatur. Das Hüftgelenk zeigt oft im Alter Abnutzungserscheinungen im Bereich des hyalinen Knorpels. Diese Erkrankung wird als Hüftgelenksarthrose bezeichnet und führt häufig in letzter Konsequenz dazu, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muss. Die zweite wichtige Erkrankung betrifft Säuglinge: bei Säuglingen ist die Pfanne noch nicht ausreichend ausgebildet, es besteht die Gefahr, dass der Femurkopf nicht in die Pfanne findet und außerhalb davon zu liegen kommt. Diese Fehlstellung wird Hüftdysplasie bezeichnet. Die Abschätzung des Risikos für eine Hüftdysplasie gehört zu den Aufgaben der Vorsorgeuntersuchung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes.
Der Oberschenkelknochen (Femur) besteht aus einem Kopf (Caput femoris),e inem Hals (Collum femuris) und einem Schaft sowie der distalen Epiphyse. Zwischen Hals und Schaft befinden sich knöcherne Vorsprünge: der Trochanter major und minor. Der Trochanter major befindet sich auf der Außenseite und ist gut am Oberschenkel tastbar. Er ist ein pflegerisch nicht unwichtiger Bezugspunkt. Einerseits ist der Trochanter major beim Druckgeschwür (Dekubitus) eine gefährdete Stelle, andereseits werden z.B. Gehilfen wie Rollator, Unterarmgehstützen oder Gehgestelle idealerweise nach der Höhe des Trochanters eingestellt. Auch bei der intramuskulären Injektion in den Hüftmuskel stellt er Bezugspunkt dar.
Nach dem Schaft folgt die distale Epiphyse mit Übergang zum Unterschenkelknochen. Seitlich an der distalen Epiphyse befindet sich der Epicondylus medialis und lateralis.
Der Oberschenkelknochen, das Schienbein (Tibia) und die Kniescheibe (Patella) bilden das Kniegelenk. Das Kniegelenk ist ein Scharniergelenk mit geringer Möglichkeit zur Rotation. Es wird durch Bänder stabilisiert, die sehr häufig bei Sportverletzungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Es sind dies die Seitenbänder, seitlich der Gelenkskapsel und die Kreuzbänder innerhalb des Gelenks. Außerdem findet man zum Ausgleich der etwas "ungleichen" Gelenksflächen Knorpelspangen, die Menisken (Meniskus in der Einzahl). An der Vorderseite - in die Sehne des großen Oberschenkelmuskels (M. quadriceps femoris) eingebaut - findet man das größte Sesambein des menschlichen Körpers: die Kniescheibe (Patelle).
Es folgt das Schienbein (Tibia) welche mit dem Wadenbein (Fibula) den Unterschenkel bildet. An der Tibia findet sich an der proximalen Epiphyse eine mächtige Rauhigkeit (tuberositas tibiae) welche für den Ansatz des Quadriceps dient. Es folgt das Sprunggelenk, welches eigentlich aus zwei Gelenken besteht: dem oberen und dem unteren Sprunggelenk. Es folgen die kleinen Fusswurzelknochen, die Mittelfussknochen und die Zehenknochen.
Die Hüftmuskulatur besteht aus mehreren, teils sehr starken Muskeln. Die wichtigste Hüftmuskulatur sind die drei Gesäßmuskeln: Muskulus glutaeus maximus (außen), medius und medius und minimus. In diese Muskulatur wird die intramuskuläre Injektion am Gesäß verabreicht.
Am Oberschenkel finden sich dann Strecker (vorne) und Beuger (hinten) des Kniegelenks, sowie die Adduktoren des Hüftgelenks. Der große Streckmuskel an der Vorderseite des Femur wird als Muskulus quadriceps femoris bezeichnet. In seiner Sehne liegt die Patella als Sesambein.
Es folgt die Unterschenkelmuskulatur zur Bewegung des Sprunggelenks sowie der Fussgelenke.
weiter---- Startseite --- Somatologie im Überblick
Hier finden Sie Informationen zum Fach Somatologie für die Ausbildung zur Pflegehilfe nach dem österreichischen Curriculum.