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Somatologie für Pflegehelfer


 

Der Schock: eine akute Störung des Kreislaufs mit Hypotonie

Von der chronischen "angeborenen" Hypotonie mit leichter Schwindelsymptomatik muss die akute Hypotonie im Rahmen einer Schocksymptomatik unterschieden werden.

Der Begriff Schock wird im Volksmund und im medizinischen Sprachgebrauch unterschiedlich verwendet. Im Volksmund versteht man unter Schock ("jemand steht unter Schock") eine schwere, psychische Ausnahmesituation. Im medizinsichen Sinn versteht man unter Schock eine schwere, lebensbedrohliche Kreislaufstörung mit der Gefahr der akuten Unterversorgung und Minderdurchblutung von wichtigen Organen. Im Folgenden soll nur vom Schock im "medizinischen Sinn" gesprochen werden.

Der Schock ist eine lebensberohliche Störung des Kreislaufs für die es mehrere Ursachen gibt. Demnach werden verschiedene Formen des Schocks unterschieden:

  • Hypovolämischer Schock
  • Anaphylaktischer Schock
  • Neurogener Schock
  • Septisch-Toxischer Schock
  • Kardiogener Schock

Der hypovolämische Schock entsteht durch einen Flüssigkeits- oder Blutverlust. Er tritt z.B. bei schweren Verbrennungen oder bei starken Blutverlusten (schwere Verletzungen im Rahmen von Unfällen, Operationen, etc.) auf.

Der anaphylaktische Schock entsteht durch eine sehr starke, allergische Reaktion. Nicht jede allergische Reaktion verläuft als anaphylaktischer Schock, manchmal kann jedoch eine Allergie (vor allem Medikamentenallergien wie Penicillinallergie, Kontrastmittelallgerie, etc.) einen Schock auslösen.

Unter einem neurogenen Schock versteht man einen durch eine Nervenstörung (aber nicht psychische Störung) bedingten Schock. Diese Schockform ist selten und kann z.B. im Rahmen einer Querschnittslähmung vorkommen.

Beim septischen Schock wird die Kreislaufstörung durch Bakterientoxine ausgelöst. Beim kardiogenen Schock ist die Kreislaufstörung durch eine Herzerkrankung (akute Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, etc.) bedingt.

Allen Arten von Schock ist gemeinsam, dass es im Verlauf zu einer Minderdurchblutung der Organe durch einen Blutdruckabfall kommt. Der Schock verläuft dabei in Phasen. Zuerst versucht der Körper gegenzusteuern indem die Gefäße in Muskulatur, Haut und verschiedenen Organen (z.B. Darm) verengt werden und der Herzschlag gesteigert wird. Unbehandelt kann der Körper jedoch den Kreislauf nicht auf Dauer stabilisieren, was zu einem massiven Blutdruckabfall und Multiorganversagen führt.

Für eine Pflegeperson ist es wichtig, jederzeit die Zeichen eines Schocks zu erkennen, da es für den Patienten ein lebensbedrohlichen Zustand darstellt.



Symptome des Schocks

Aufgrund der unterschiedlichen Ursachen eines Schocks sind auch seine Symptome variabel. Sie müssen nicht immer vollständig ausgeprägt sein und einige treten nur bei bestimmten Schockformen auf. Typische Symptome sind

  • kalte, blasse Extremitäten
  • kalter Schweiß
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • Teilnahmslosigkeit, aber auch Unruhe, Angst und Verwirrtheit sind möglich
  • WICHTIG: schneller Puls (Tachykardie),  beim Erwachsenen über 100 Schläge pro Minute und gleichzeitg niedriger Blutdruck. Als Faustregel gilt: ist der Puls höher als der systolische Blutdruck besteht starke Schockgefahr!!
  • Versiegen der Harnproduktion, deshalb meist auch Durstgefühl

Ein Schock kann aber auch bei höheren Blutdruckwerten auftreten, insbesondere bei Patienten die unter Bluthochdruck leiden. Bei diesen Patienten kann ein plötzlicher Abfall des Blutdrucks zu einer mangelnden Durchblutung vitaler Organe wie Herz, Niere oder Lunge führen.

Wie ist die Therapie des Schocks?

Bei jedem Verdacht auf einen Schock ist unverzüglich zu handeln! Der Arzt muss sofort verständigt werden und der Patient wird in die Position der "Schocklagerung" (Beine hoch, Oberkörper tief) gebracht. Die "Schocklagerung" soll den Kreislauf des Patienten stabilisieren. Einzige Ausnahme: bei Verdacht auf kardigenem Schock muss der Oberköper hochgelagert werden, da sonst das Blut, welches von den Beinen zum Herz fließt, das Herz zu stark belastet.

An medizinsichen Maßnahmen wird dann ein großlumiger Zugang zu den Venen gelegt und Flüssigkeit rasch ("im Schuss") verabreicht (Ausnahme auch hier wieder der kardiogene Schock). Zusätzlich werden kreislaufstabilisierende Maßnahmen durch Medikamentengabe gesetzt. Gleichzeitig überlappend muss die Ursache des Schocks (z.B. Blutstillung beim hypovolämischen Schock durch Blutverlust, Allergiebehandlung mit Kortison hochdosiert bei allergischem Schock, Antibiotika beim septischen Schock, etc.) behandelt werden.

Unbehandelt verläuft der Schock meist tödlich. Es kommt zu Nieren-, Lungen- und schließlich Kreislaufversagen.


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