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Somatologie für Pflegehelfer


 

Krankhafte Veränderungen der harnbildenden und harnableitenden Organe

Zu den harnbildenden und harnableitenden Organen zählt man die Niere, die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre. Der Verdacht auf eine Erkrankung der Niere oder der ableitenden Harnwege ergibt sich meist durch Auftreten von einem oder mehreren Leitsymptomen.

a) Miktionsstörungen und HWI
Dysurie bedeutet erschwertes Wasserlassen, Algurie Schmerzen beim Wasserlassen (im Sprachgebrauch wird aber auch schmerzhaftes Wasserlassen als Dysurie bezeichnet). Dysurie im engeren Sinne kommt v.a. bei Prostataerkrankungen vor, eine Algurie ist klassisches Leitsymptom eines HWI.

Pollakisurie bedeutet häufiges Wasserlassen und kommt ebenfalls bei Prostataerkrankungen und HWI vor. Ein häufiger nächtlicher Harndrang (Nykturie) ist eine häufige Begleiterscheinung bei Herzinsuffizienz.

b) Harnbeimengungen
Bereits bei Betrachtung einer Urinprobe lassen sich manchmal erste Verdachtsdiagnosen stellen. Ist der Urin eitrig-trüb liegt meist ein aktues, entzündliches Geschehen vor wie z.B. eine Cystitis (Harnblasenentzündung) oder Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung). Enthält der Urin Blut, spricht man von Hämaturie: von einer Makrohämaturie wenn der Harn rötlich oder braun gefärbt ist, oder von einer Mikrohämaturie wenn mikroskopisch mehrere Erythrozyten nachweisbar sind.

c) Nierenschmerzen
Schmerzen, die von der Niere ausgehen, können eingeteilt werden in den Flanken- bzw. Klopfschmerz, welcher eine dumpfe, andauernde Schmerzqualität aufweist und den hochakuten Kolikschmerz. Eine Kolik ist ein anfallsweise auftretender Schmerz, der sich allmählich steigert, einen oft unerträglichen Höhepunkt erreicht und dann langsam wieder abklingt. Koliken treten nur in Hohlorganenen auf: Gallenblase, Nierenbecken, Harnleiter, Dram,...usw. Jede Abflussstörung im Bereich der ableitenden Harnwege (Nierenbecken, Uretheren) kann eine Kolik auslösen.

d) Ödeme
Ödeme sind bei einer Glomerulonephritis (GN: Entzündung des Nierengewebes, siehe unten) und im Verlauf jeder Niereninsuffizienz sehr häufige Symptome. Bei einer GN sind diese Ödeme typisch an den Beinen und um die Augen herum.

e) Hypertonie renaler Ursache
Ein typisches Zeichen von Nierenerkrankungen ist auch die Hypertonie. Dabei können sowohl die Nieren selbst auslöser sein (GN, Zystennieren,..) als auch die Nierenartierien z.B. in Form von Nierenarterienstenosen.

f) Hyperlipidämie
Bei nephrologischen Erkrankungen, v.a. beim nephrotischen Syndrom treten oft Hyperlipidämien auf. Der pathophysiologische Zusammenhang ist noch weitgehend unklar.

g) Oligurie, Anurie, Nierenversagen
Oligurie: Urinmengen unter 500 ml/24h
Anurie: Urinmengen unter 100 ml/24h

Sehr geringe Urinmengen wie sie bei Oligurie und Anurie vorliegen, führen innerhalb weniger Tage zur Urämie. Erholt sich die Niere nicht treten Urämie Symptome (Schwäche, Müdigkeit, Übelkeit) und Anzeichen einer Überwässerung wie Ödeme, Hypertonie oder Lungenödem hinzu.

h) Weitere Symptome:
Des weiteren kommt es noch zu einer Störung des Gerinnungssystems und damit häufig zu thromboembolischen Komplikationen oder einer Abwehrschwäche durch Verlust von IgG durch den Harn.

Zusammenfassung
Erkrankungen der Niere und der ableitenden Harnwege weisen also eine Reihe von verschiedenen Symptomen auf. Während im Bereich der Urologie häufig heftige, kolikartige Schmerzen, entzündliche Symptome (Fieber, Schmerz,..) oder Dysurien im Vordergrund stehen, stehen im Bereich der internistischen Nephrologie vor allem die Symptome der Ödeme, der Hypertonie oder des Nierenversagens im Vordergrund.



Unterschied zwischen der Entzündung des Nierengewebes (Glomerulonephritis) und Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Die Entzündung des Nierengewebes wird als Glomerulonephritis bezeichnet, da hier die funktionelle Einheit des Glomerulus betroffen ist. Bei der Pyelonephritis ist das Nierenbecken entzündet. Eine Pyelonephritis (Nierenebeckenentzündung) ensteht meist durch einen aufsteigenden, bakteriellen Infekt der Harnblase (sog. Harnwegsinfekt).

Eine Entzündung des Nierengewebes entsteht aus einem gänzlich anderen Grund. Meist handelt es sich bei einer Glomerulonephritis um eine Autoimmunkrankheit, Bakterien oder Viren wie bei der Pyelonephritis spielen bei der Glomerulonephritis überhaupt keine Rolle. Demnach sind auch die Symptome und die Behandlungen ganz anders. Eine Pyelonephritis wird mit Antibiotika behandelt und zeigt die Symptome von starken Flankenschmerzen und Fieber. Eine Pyelonephritis zeigt Ödeme, Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Zeichen eines Nierenversagens (Urämie).

Ein Nierenversagen bedeutet eine Verschlechterung oder ein Verlust der Nierenfunktion (medizinisch: Abnahme des Glomerulusfiltrats). Dabei muss man ganz grundsätzlich zwischen einem akuten und einem chronischen Nierenversagen unterscheiden.

 

Aktute und chronisches Nierenversagen

Sehr viele Nierenerkrankungen führen zum Symptomkomplex des Nierenversagens. Dabei wird zwischen einem akuten und einem chronischen Nierenversagen unterschieden. Ein akutes Nierenversagen entsteht oft als Folge eines Schocks. Ein chronisches Nierenversagen ist sehr oft die Folge einer diabetischen Nephropathie, manchmal auch in Folge einer Glomerulonephritis oder von Fehlbildungen der Niere (Zystenniere). Ein Nierenversagen ist ein Symptomkomplex, welche im Endstadium mit einer Dialyse ("Blutwäsche") behandelt werden muss.

Akutes Nierenversagen

Beim akuten Nierenversagen (ANV) handelt es sich um eine abrupte und anhaltende, jedoch prinzipiell rückbildungsfähige (= reversible) Verschlechterung der Nierenfunktion. Dadurch verbleiben Endprodukte des Eiweißstoffwechsels im Organismus. Werden von diesen Substanzen Konzentrationsgrenzwerte überschritten, kommt es zur Urämie, einem lebensbedrohlichen Vergiftungszustand bis hin zu Bewusstseinsverlust und Zusammenbruch der Stoffwechselfunktionen. Häufig ist zudem die Wasserausscheidungsfunktion der Niere betroffen. Ein akutes Nierenversagen entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen. Es erfordert in der Regel intensivmedizinische Behandlungsmethoden mit einer Dialyse.

Die häufigste Ursache für ein akutes Nierenversagen ist der Schock. Hierzu zählt auch der hypovolämische Schock durch massive Dehydrierung ("Austrockung"). Daneben kann beispielsweise auch ein Harnverhalt (z.B. bei Prostatahyperplasie) zum akuten Nierenversagen führen.

Wie erkenne ich ein ANV?
Klinisch fallen in Notsituationen eine Hyperventilation , ein foetor uraemicus sowie Schläfrigkeit bis hin zum Coma uraemicum auf. Ein deutlicher Hinweis auf ein ANV ist die Veränderung der Harnmenge, wobei die Harnausscheidung in der Hälfte der Fälle normal oder leicht vermindert  ist. Das akute Nierenversagen kann an-, oligo- oder polyurisch sein,  wobei zu Beginn - also für die Erkennung eines ANV die Oligo- oder Anurie im Vordergrund steht. 

Welche Komplikationen kann es beim ANV geben?
Ein ANV ist ein akut lebensbedrohlicher Zustand. Im Laufe des ANV steigen die harnpflichtigen Substanzen an, es kommt zur Urämie (siehe unten), zur Überwässerung (v.a. Lungenödem), zur Hyperkaliämie (Niere scheidet kein Kalium mehr aus) und INFEKTIONEN. INFEKTIONEN SIND DIE HÄUFIGSTE TODESURSACHE BEIM ANV , z.B. Sepsis durch ZVK oder Blasenkatheter

Therapie aus medizinischer Sicht
Ist ein ANV eingetreten, dann gibt es derzeit keine Therapieform, die den Verlauf wirksam unterbrechen könnte. Je nach Stadium der Erkrankung unterscheidet man die Prophylaxe  und
die Therapie bei ausgebrochenem ANV.
Als Therapie bei ANV kommt v.a. die Nierenersatztherapie in Frage (intermittierende Hämodialyse, evt. Peritionealdialyse oder kontiniuierliche Methoden wie die Hämofiltration (siehe später).

Bedeutung für die Pflege:
Prinzipiell gilt es die gefährdeten Personen zu erkennen (siehe oben Risikofaktoren) und sie entsprechend zu beobachten. Ein wichtiger Parameter (wenn auch kein ganz verlässlicher) ist die Harnausscheidung. Diese sollte bei allen gefährdeten Personen überwacht werden. Das betrifft also Patienten mit Volumenmangel, v.a. solche mit der Gefahr der Dehydrierung. Also immer postoperativ auf die Harnausscheidung achten, sowie bei Bewohnern in Betreuungszentren oder in der Hauskrankenpflege die Ausscheidung kontrollieren (z.B. durch Kontrolle der Einlage, Kontrolle der Trinkmenge,...usw).

Infektionsschutz
Bei beginnendem ANV mit Oligurie oder Anurie ist unbedingt auf den Infektionsschutz zu achten:

  • Vermeidung der Infektion von venösen Zugängen also von ZVK oder Venflons
  • Pneumonieprophylaxe
  • Prinzipiell alle Maßnahmen die eine Infektion vermeiden: korrekte hygiensiche Händedesinfektion, aseptische Verbandsechsel, Einwirkzeit von Desinfektionsmitteln,.....usw.

Flüssigkeitsbilanzierung
Diese muss immer bei V.a. ANV erfolgen.


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Links

 

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