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Pflege bei Erkrankungen des Verdauungstraktes


 

Dickdarmpolypen: gutartige Wucherung aber auch Vorstufe zum Dickdarmkrebs

Dickdarmpolypen sind kleine Schleimhautvorwölbungen die entweder gestielt oder breitbasig aus dem Niveau der Kolonschleimhaut hervorragen. Es werden verschiedene Kolonpolypen unterschieden. Man unterscheidet neoplastische Kolonpolypen von nicht neoplastischen (unklassifizierbaren) Polypen sowie einfach submuköse Läsionen. Die wichtigste Gruppe stellen die neoplastischen Polypen dar, die entweder ein gutartiges Wachstum oder bereits zeichen einer Dysplasie und Entartung zeigen können. Die meisten Dickdarmkarzinome nehmen von diesesn Kolonpolypen ihren Ausgang.

Symptome zeigen derartige Polypen meist nicht. Kleiner Mengen Blut im Stuhl, die vom Patienten optisch meist nicht festgestellt werden können - aber mit speziellen Untersuchungsmethoden nachgewiesen werden können (Vorsorgeuntersuchung) - sind typisch. Nur selten zeigen Adenome Bauchschmerzen. Die Diagnose kann deshalb nur durch Koloskopie gestellt werden. Bei Entdeckung in der Koloskopie werden diese Polypen meist in Form einer Polypektomie abgetragen. Durch eine Darmspiegelung wird ein biegsames, optisches Instrument (Endoskop) vom After aus bis, zur Mündung des Dünn- in den Dickdarm vorgeschoben. Falls erforderlich lassen sich während der Spiegelung. Gewebeproben mit einer winzigen Zange gewinnen Liegen sehr viele Adenome gleichzeitig vor kann eine Entfernung des Darmabschnittes überlegt werden. Bei der familiären Polyposis kann eine Proktokolektomie zur Karzinomvorbeugung erwogen werden, da diese Erkrankung praktisch immer in einem Kolonkarzinom endet.

Das Dickdarmkarzinom: bösartiger Dickdarmtumor, Darmkrebs

Der Begriff Darmkrebs impliziert meist immer einen bösartigen Tumor des Dickdarms, da im Dünndarm praktisch nie Schleimhautkarzinome auftreten. Das kolorektale Karzinom ist somit ein maligner Tumor des Dick- und Enddarms, meistens als Adenokarzinom vom Drüsenepithel ausgehend. Ausgangspunkt ist wohl in den allermeisten Fällen ein primär benignes Adenom aus dem sich im Laufe etwa eines Jahrzehnts ein Karzinom entwickelt.

Was ist die Ursache für die Entstehung des Dickdarmkrebs

Die Ursachen für die Entstehung eines kolorektalen Karzinoms (Dickdarmkrebs) ist weiterhin wie bei den meisten Tumoren unklar. Wie alle anderen Karzinome auch nimmt die Malignität ihren Ausgang von einer einzigen entdifferenzierten Zelle, die sich meist auf einem Adenom des Dickdarms befindet. Die Abläufe der genetischen Veränderungen bei diesen Zellen bis sie schließlich maligne Entartung zeigen ist bereits gut untersucht und dokumentiert, die Ursache warum diese Gendefekte in dieser malignen Zelle ablaufen jedoch weitgehend unklar. So können wie bei den meisten Tumoren auch beim Dickdarmkrebs prädisponierende Faktoren habhaft gemacht werden. Dazu zählen vor allem eine gewisse familiäre Belastung, das Auftreten von kolorektalen Adenomen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Umweltfaktoren, sowie eine falsche Ernährung mit zuviel an gereinigtem Zucker und zu wenig an Ballaststoffen, sowie ein zu hoher Fettgehalt der Nahrung.

Morphologische Erscheinungsformen

Ein Kolonkarzinom kann unterschiedlich imponieren. Makroskopisch unterscheidet man polypöse, plattenartige, ulzerös und szirrhöse Tumoren. Morphologisch und makroskopisch erkennbar sind auch die tumorbedingten Komplikationen wie die Obstruktion mit der Gefahr des Obstruktionsileus und der Darmperforation. Histologisch unterscheidet man das Adenokarzinom,, das muzinöse Adenokarzinom mit extrazellulärer Schleimbildung und das Siegelringkarzinom mit intrazellulärer Schleimbildung. Der Differenzierungsgrad (»grading«) wird nach Kriterien wie Drüsenbildung, Kernpolymorphien und Mitosen semiquantitativ bestimmt. Man unterscheidet dann zwischen gering, mittelgradig und hochgradig differnzierten Tumoren.

Wie in der histologischen Pathologie üblich wird das Kolonkarzinom im TNM System klassifiziert. Alternativ oder zustätzlich dazu findet man häufig die Dukes-Klassifikation. Im Stadium Dukes A ist die 5-Jahres Überlebensrate am höchsten, sie redziert sich im Stadium C und D, letzter weist eine 5 JÜR von weniger als 1% auf.

Die Metastasierung des Kolonkarzinoms erfolgt in die jeweiligen reginären Lymphknoten und nicht selten realtiv früh auch hämatogen. Die hämatogene Metastasierung erfolgt über die Leber und das Peritoneum in die Lunge, relativ häufig kommt es auch zu Hirnmetastasen. Beim tiefsitzenden Rektumkarzinom kann eine Metastasierung über die V. cava direkt in die Lunge erfolgen, da der Blutabfluss der unteren Portion des Rektums nicht durch die Pfortader verläuft.


TNM Klassifikation des Kolonkarzinoms

T – Primärtumor

TX Primärtumor kann nicht beurteilt werden

T0 kein Anhalt für Primärtumor

Tis Carcinoma in situ

T1 Tumor infiltriert Submukosa

T2 Tumor infiltriert Muscularis propria

T3 Tumor infiltriert durch die Muscularis propria in die Subserosa oder in nicht peritonealisiertes perikolisches oder perirektales Gewebe

T4 Tumor perforiert das viszerale Peritoneum oder infiltriert direkt

in andere Organe oder Strukturen

Anmerkung: Direkte Ausbreitung in T4 schließt auch die Infiltration anderer Segmente des Kolorektums auf dem Weg über die Serosa ein, z.B. die Infiltration des Sigmas durch ein Zäkalkarzinom.

 N – regionäre Lymphknoten

Regionäre Lymphknoten sind die perikolischen und perirektalen Lymphknoten und jene entlang den Aa. ileocolica, colica dextra, colica media, colica sinistra, mesenterica inferior und rectalis (haemorrhoidalis) superior.

NX regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden

N0 keine regionären Lymphknotenmetastasen

N1 Metastasen in 1–3 perikolischen bzw. perirektalen Lymphknoten

N2 Metastasen in 4 oder mehr perikolischen bzw. perirektalen Lymphknoten

M – Fernmetastasen

MX das Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden

M0 keine Fernmetastasen

M1 Fernmetastasen

Die Kategorien M1 und pM1 können wie folgt spezifiziert werden: Lunge PUL Knochenmark MAR, Knochen OSS, Pleura PLE, Leber HEP, Peritoneum PER, Hirn BRA Haut SKI, Lymphknoten LYM andere Organe OTH,

G – histopathologisches Grading

GX Differenzierungsgrad kann nicht bestimmt werden

G1 gut differenziert

G2 mäßig differenziert

G3 schlecht differenziert

G4 undifferenziert



Welche Symptome zeigt ein kolorektales Karzinom (Dickdarmkrebs)

Wie bei den meisten Tumoren zeigt auch der Dickdarmkrebs relativ spät und häufig sehr uncharakteristische Symptome. Es gibt keine zuverlässigen Frühsymptome. Hinweise können sein wechselnde Stuhlgewohnheiten, paradoxe Diarrhöen (bei bestehender Stenose wird der Stuhl von den Bakterien zersetzt und verflüssigt => stinkende Stühle), Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Mattheit, Leistungsminderung,  Ileuserscheinungen, chronisch rezidivierende Blutungen mit der Folge einer Anämie, evt. ein  tastbarer Tumor sowie Hinweise auf Metastasierungen.

Das Symptom der Früherkennung ist ein okkulter Blutverlust. Darunter versteht man Blutbeimengungen im Stuhl die vom Patienten optisch nicht wahrgenommen werden können. Für den Nachweis einer okkulten Blutung werden spezielle schnell durchführbare Untersuchungen angeordnet, welche häufig vor allem in der Vorsorgemedizin zur Anwendung kommen.Erst der fortgeschrittene Tumor zeigt makroskopisch mit freiem Auge sichtbare Blutungen. Die relativ unspezifischen Symptome sind auch vom Sitz des Primärtumors abhängig.

Da die Symptome relativ unspezifisch sind und häufig harmlosen Erkrankungen zugeordnet werden gilt bei allen Blutabgängen per anum und jede Änderungen des Stuhlverhaltens über 2–3 Wochen muss so lange als maligne Grunderkrankung angenommen werden, bis das Gegenteil bewiesen ist. Treten die oben genannten Symptome somit länger als 2-3 Wochen auf ist ein Arztbesuch dringend notwendig.

Wie ist die Diagnose des Kolonkarzinoms (Dickdarmkrebs)

Die Diagnose des Dickdarmkrebs beginnt durch die Anamnese. Da die meisten Formen von Dickdarmkrebs jedoch ohne spezifische Symptome verlaufen ist eine Untersuchung anschließend dringend notwendig. Dies geschieht durch eine digitale rektale Untersuchung bei Verdacht auf Karzinome im Bereich des Rektums. Weiters wird der  Nachweis okkulten Bluts im Stuhl geführt. Eine Koloskopie mit der Entnahme von Biopsie ist das Standartverfahren zum Nachweis eines Dickdarmkrebs. Falls die Koloskopie nicht vollständig durchzuführen ist, folgt die Röntgenkontrastuntersuchung des Kolons, eine Endosonographie ist ebenfalls möglich aber weniger aufschlussreich als eine Koloskopie. Spiral CT oder MRT sind weitere bildgebende Verfahren, die vor allem auch auf eine mögliche lymphogene oder hämatogene Ausbreitung des Tumors hinweisen. An  Laboruntersuchungen wird häufig der Nachweis auf spezielle Tumormarker geführt. Es sind dies das CEA (Tumormarker) und CA 19-9. Diese Tumormarker eigenen sich allerdings nicht zur Vorsorgeuntersuchung oder zur Erstdiagnose eines Tumors, da sie in zu häufigen Fällen fehlen. Bei der Nachsorge zur Überprüfung von Metastasierung oder Rezidiv lassen sich diese Tumormarker als gutes Hilfsmittel anwenden.


Wie wird ein Dickdarmkrebs behandelt

Mittel der Wahl in der kurativen Behandlung eines Dickdarmkrebs ist die chirurgische Therapie mit Entfernung des Tumors im Sicherheitsabstand. Das Ziel der Operation ist die großzügige Entfernung des befallenen Darmanteils mit gleichzeitiger Entfernung der Lymphabflusswege und der Lymphknoten. Wieviel Darm entfernt werden muss, wird von der Blutversorgung und der Verteilung der regionalen Lymphknoten bestimmt. Bei sehr fortgeschrittenen Tumoren, die meist nicht mehr kurativ behandelt werden können wird ebenfalls oft operiert um die Gefahr des Ilues zu vermeiden. Standard-Resektionsverfahren am Kolon ist die Hemikolektomie rechts. Hierbei kommt es zur  Resektion von Zäkum und aufsteigendem Kolon. Je nach Ausbreitung kann eine teilweise  Resektion von Magen und Jejunum erforderlich werden.

Bei der Hemikolektomie links kommt es zur Resektion der linken Kolonflexur bis zum Colon sigmoideum.  Ist der Tumor auf das Colon sigmoideum begrenzt wird eine Sigmaresektion durchgeführt.

Bei Rektumkarzinomen - die ein viertel der kolorektalen Karzinome ausmacht - finden sich mehrere alternative Möglichkeiten der Resektion. Es ist die die anteriore Rektumresektion mit Wiederherstellung der Darmkontinuität, die otale mesorektale Rektumresektion mit koloanaler Anastomose, die abdominoperineale Rektumresektion mit der definitiven Anlage eines Kolostomas oder die  Diskontinuitätsresektion nach Hartmann. Die Entscheidung welches Verfahren gewählt werden soll hängt von individuellen Faktoren des Patienten wie das Alter, die Operabilität, Begleiterkrankungen und Ausdehung des Tumors ab.

Ist eine chirurgische Heilung aufgrund einer ausgebreiteten Tumorerkrankung mit vorliegenden Metastasen in Bauchraum und anderen Organen nicht mehr möglich so werden sehr häufig palliative, chirurgische Eingriffe gesetzt. Unter palliativen Eingriffen werden tumorresezierende Operationen verstanden, bei denen durch die fortgeschrittene Tumorerkrankung bösartiges Restgewebe belassen werden muss. Ziel dieser Operationen ist die Vermeidung von Komplikationen (z.B. Ileus) und die Verbesserung der Lebensqualität.

Wie ist die Prognose des Dickdarmkrebs

Wie bei allen anderen Tumoren auch, ist auch beim Dickdarmkrebs die Prognose stark von der Ausbreitung des Tumors abhängig. Diese Ausbreitung wird üblicherweise mit dem TNM System der Pathologen erfasst. Die Prognose bei Tumoren wird in der sog. 5-Jahres Überlebensrate (5 JÜR) angegeben, und gibt an wieviele Personen mit der jeweiligen Tumorausbreitung nach Erstdiagnose nach fünf Jahren noch leben. Dies wird gemacht, weil der Begriff "Heilung" bei bösartigen Tumoren sehr trugvoll ist, da Metastasen auch noch nach Jahren auftreten können. Die 5 Jahres Überlebensrate sagt auch nichts über die Lebensqualität der Personen aus. Wenn man sich das Tumorstadium betrachtet so gilgt z.B. für das Tumorstadium T1 eine 80–98%ige 5 Jahres Überlebensrate und sinkt kontiniurlich mit fortschreiten der Tumorgröße.


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